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Ole’s Steckbrief 1 – Friedrich Olejak aus Stein

Posted in Friedrich Olejak, Gastautoren, Justizanstalten by marcusjoswald on 2. Mai 2008
Friedrich Olejak (JA Stein)

Friedrich Olejak (JA Stein)

 

Friedrich Olejaks Kolumne: Ole’s Steckbrief!

Es sind kurz gehaltene Gedanken, veröffentlicht alle 14 Tage. Olejak sitzt in der Justizanstalt Stein. Noch sechs Jahre.
(Foto: JA Stein)

 

 

 

 

 

 

Rechtswirklichkeit im österreichischem Vollzug ist manchem Staatsdiener und manchem Politiker ein Dorn im Auge. So verflacht viel zur reinen Täuschung. Schwammige Gesetzestexte werden von der Justizverwaltung immer negativer ausgelegt.

Um die Familienkontakte zu fördern, besonders mit seinem weiblichem Partner, haben 2001 die Höchstrichter ihren Willen dazu kundgetan, den § 93 StVG-Text umzusetzen. Dies betrifft den unbeaufsichtigten Besuch, der gerade jetzt als “Intimbesuch” durch die Presse läuft.

Wie jeder Insider weiß, wird dies in Kürze ein Erlaß der Justizministerin regeln. Dieser wird so gefasst sein, dass nur Ehefrauen diese Möglichkeit ergreifen dürfen. Die im Erlaß ansonstig eingebauten bürokratischen Hindernisse werden diese Regelung in Österreich nur für ein paar Gefangene ermöglichen.

Seit 1930 wurde darüber viel bei uns debattiert, nun sind wir wenigstens theoretisch bei den über Hundert Staaten, die dies oft schon seit Jahrzehnten praktizieren.

Natürlich werden wir noch lange nicht diese “Freudenhaus”-ähnlichen Zustände der Philippinen, Serben, Spanier, Bolivianer, Schweizer, Schweden, Kanadier, Kolumbianer, Peruaner usw. erreichen. Aber wir können uns zumindest darüber aufregen.

Sehr interessant war die Reaktion der Justizsprecherin der ÖVP, Maria Fekter, die der JM Karin Gastinger vorwarf, einen “Kuschelkurs” zu fahren. Frau Maria Fekter hält nicht viel von Höchstrichterentscheidungen – sie behält durch das Wegschauen über die Kärntner-Ortstafel-Entscheidung ihren Sitz im Parlament. Belassen wir Frau Fekter an ihrem Stammtisch und schauen wir uns die Reaktion von Justizbeamten an.

In der Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) öffnet Udo Sagl immer wieder die unterste Schublade. Im Falle des “Intimbesuchs” lässt er wieder einmal zwei Justizbeamte zu Wort kommen. “Sexzimmer in einem Hochsicherheitsgefängnis! Unfassbar!” wettert Harald Gerstl. “Mit der Liebeserlaubnis züchten wir uns garantiert Prostituierte heran. Das Gefängnis darf nicht zum Freudenhaus verkommen!”

“Wer kontrolliert, welche Frauen da aus und ein gehen?”, gibt Franz Pauser als oberster Personalvertreter zu bedenken. “Waffen/Drogen. Keine Räumlichkeiten. Alarmglocke fehlt…”

Bedenklich ist aber auch, dass ein Justizbeamter die Frauen von einigen wenigen Häftlingen in Österreich als Huren tituliert. Unsere Justizbeamten fahren auf Exkursionen meist in ehemalige Ostblockstaaten. Ich weiß nicht, was sie dabei lernen wollen.

Sie könnten in dieser Sache Gefängnisse in Israel besuchen und dort genau studieren, wie deren Justiz seit vielen Jahren diese Intimbesuche regelt.

Dort gibt es ein Hochsicherheitsgefängnis mit 1200 Gefangenen, die wesentlich gefährlicher als alle hier einsitzenden Gefangenen sind.

Bitte bezeichnen Sie deren Frauen dort aber nicht als Prostituierte!

Friedrich Olejak (Häftling in der JA Stein)

(Aus dem B&G-Archiv 2006. Ediert von Marcus J. Oswald im Ressort: Gastautoren, Friedrich Olejak)

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