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Ole’s Steckbrief 2 - Friedrich Olejak aus Stein

Veröffentlicht in Friedrich Olejak, Gastautoren, Justizanstalten by marcusjoswald am Mai 18th, 2008

Friedrich Olejak

Friedrich Olejaks Kolumne: Ole’s Steckbrief!

Es sind kurz gehaltene Gedanken, veröffentlicht alle 14 Tage. Olejak sitzt in der Justizanstalt Stein. Noch sechs Jahre. (Foto: JA Stein)

Beim ersten Olaf-Palme-Prozess, wurde der Angeklagte von den Geschworenen des Mordes für schuldig erkannt. Der Richtersenat zog sich ins Kämmerchen zurück und entschied, dass ein Irrtum der Geschworenen vorliegt und hoben deren Urteil auf.

Der Angeklagte verließ als freier Mann den Verhandlungssaal. Die Hinweisgeber erdolchten ihn dabei mit ihren Blicken - sie hätten 300 Mill. Schillinge beim Schuldspruch erhalten.

Hofrat Dr. Werner Olscher, der früher die Staatsanwaltschaft Wien leitete, führt in seinem Buch “Lebenslang” fast 50 Fälle an, wo bei uns ein Richtersenat, wegen Irrtums der Geschworenen deren Urteil aufhob.

Dr. Olscher fiel dabei auf, dass alle diese Urteile der Laienrichter für den Angeklagten günstig waren. Dabei gab es viele Aufhebungen von Freisprüchen, die dann in einer zweiten Verhandlung zu Schuldsprüchen führten.

Insgesamt gibt es weit mehr Aufhebungen in unserer Rechtsgeschichte und dabei immer nur welche, wo die Richter zuungunsten der Beschuldigten aufhoben. Keinen einzigen Fall, wie beim Palme-Prozess oben.

Dass Geschworene irren können, ist menschlich. Unmenschlich ist aber, dass sich alle Geschworenen, die bei ihrer Urteilsfindung geirrt haben, dies nur zum Vorteil des Angeklagten getan hätten.

Wenn man über Jahrzehnte hinweg voraussetzt, dass es Irrtümer der Geschworenen gegeben hat, dann müßten sich diese 50:50 aufteilen. Dies sagt eine große Untersuchung einer Universität im US-Staat Pennsylvania.

Am einfachsten können Sie dies selbst testen, indem Sie lange genug eine Münze aufwerfen und die Zahl/Kopf-Würfe notieren.

Egal, wie dieser Widerspruch von Richtern erklärt wird: Es zeigt eine Unfairness bei unseren Gerichten auf, die vieles in den Schatten stellt. Ich suche den österreichischen Richter, der erstmals über diesen Schatten springt!

Friedrich Olejak (Häftling in der JA Stein)

(Aus dem B&G-Archiv, 2007; ediert von Marcus J. Oswald)

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