Abschaltversuch des Justizministeriums gescheitert: www.genderwahn.com
(Wien, im Mai 2008) “Wir waren vielleicht 50 Minuten offline”, sagt der Mitinitiator des Internetforums “www.genderwahn.com” im Gespräch mit B&G. Sein Ton klingt triumphierend. Heute Mittag, 20. Mai 2008, wurde auf Betreiben des Justizministeriums nach einer Nachricht an den Domainregistrar INTERNIC das Webforum www.genderwahn.com ohne Vorankündigung geschlossen.
Forum-Mitinitiator Mag. Herwig B. entlockt das nur ein Schmunzeln. Er rückt ungefragt gleich die neue Position des Forums heraus, wo sich die 2.900 “Wortbeiträge” in 1.376 “Themen” der 70 (registrierten) Mitglieder nun befinden. Keineswegs sei das Forum “untergangen”, sondern es liege weiter auf Kurs im weiten Ozean des World Wide Web.
Abschaltprofis treffen auf Einschaltprofis
Der Brief der INTERNIC wurde bereits im Genderwahn-Forum veröffentlicht. Es heißt: “Da wir davon Kenntnis erlangt haben, dass Sie auf Ihrer Webseite im Forum offensichtlich gegen den § 1330 ABGB verstoßen, fordere ich Sie unverzüglich auf, die diffamierenden Inhalte, welche österreichische Richter und das österreichische Rechtssystem im allgemeinen heruntermachen, zu entfernen. Hochachtungsvoll - Internic GesmbH, Schönngasse 15-17/8, A-1020 Vienna / Austria.” (20.05.2008)
Die Haltung von Mag. Herwig B. ist deutlich: “Wenn Beiträge von Teilnehmern gegen den § 1330 ABGB (Ehrenbleidigung, Anm.) verstoßen, muss man dem Forum und seinen Betreibern den Prozess eröffnen. Am konkreten Beispiel. Wir gehen gern in Verfahren.” Abdrehen allein ginge nicht. Das ließe man sich nicht bieten.
Avantgarde, Speerspitze
Herwig B. geht auf Konfrontationskurs und er tut das schon lange. Er gilt als der größte “Serienanzeiger” von Wien (Wortlaut aus OGH-Urteil). Kein Staatsanwalt, Richter oder Gutachter ist vor ihm sicher. Mit einem halben Duzend Anzeigen liegt er beim EuGH. Seine Motive werden als lauter eingestuft, seine Wortwahl nicht immer.
Das Forum, das sich laut Selbstdefinition um “Männer-, Frauen und Kinderrechte” sorgt, besteht nicht bloß aus ihm. Es finden sich gemäßigte und radikale Querdenker, die ein Ziel haben: Die objektiven Kinderrechte, losgelöst vom übergroßen Mutterbegriff, zu stärken und die aus ihrer Sicht “einseitigen Frauenrechte” zu hinterfragen. Das ist unbequem, nicht immer elegant, schon gar nicht sexy. Da einige Forenteilnehmer wissen, dass Politik zu machen politisch zu sein bedeutet, eckt das Forum an vielen Stellen an.
Dokumentation von Spruchpraxis und Datenbank
“In erster Linie dokumentiert das Forum das Geschehen”, erläutert B. Man veröffentliche Pressespiegel, Aktenauszüge zu Fällen, die bekannt sind. Dadurch sei man Speerspitze und Avantgarde, weil man Böswilligkeiten
in der Rechtssprechung zu Lasten des Mannes aufzeige.
Die Datenbank hat Mag. Herwig B. schon geholfen. Als er kürzlich bei einem Parlamentarier im Wiener Hohen Haus Termin hatte, um ein neues Familienrechtsmodell vorzustellen, “fand die Datenbank des Genderwahn-Forums Entscheidungen des EuGH schneller als der Parlamentsrechner”. Das Prinzip “OpenJustice” will das Forum weiterverfolgen. Allein schon daher werde man eine “Abdrehung durch das Justizministerium nicht tolerieren”.
Sagt’s - und verweist auf den neuen Platz, an dem sich das Forum nach dem 20. Mai 2008 befindet.
In der Ukraine.
Link: www.genderwahn.com
Marcus J. Oswald (Ressort: Medien)

