Stummers Probleme mit dem ÖKM
Als die Welt noch in Ordnung war: Am 4. August 2005 ehelichte Ernst Walter Stummer am Standesamt Martinstraße im 18. Wiener Bezirk die um 38 Jahre jüngere philippinische Gattin Maribel (im Bild 2. von re., mit den ebenso philippinischen Trauzeuginnen Susanne und Maribik). Im Februar 2008 wurde die gänzlich “sexlose Ehe” am BG Wien-Döbling auf Betreiben des Stummer geschieden. “Eine Ehe ohne Sex ist keine Ehe”, so der 69-jährige Wiener. Mittlerweile hat er andere Probleme. (Foto: Marcus J. Oswald für diegalerie)
(Wien, im Mai 2008) “Das ÖKM hat mi mit’m Schmäh gnommen. Die wollen mittlerweile 177 Euro haben!
Aber i zahl das sicher nicht.” Ernst Walter Stummer, Exkrimineller in Unruhe, ist aufgebracht und wittert einen handfesten Betrug. Er fühlt sich hintergangen.
Bildschirmsex
“Ich war da auf der ÖKM-Webseite, weil i mir des amoi anschauen wollt. Ich hab das 2-Tagesangebot für 8 Euro genommen.” Mit dem Angebot war der Romantiker nicht zufrieden. “Dort ist alles so ordinär aufbereitet. Mir gefällt so was net.” Da er aber das Angebot für zwei Tage gebucht hatte, schaute er sich näher auf der Webseite um. Und lud sich einen Pornofilm herunter. Er klickte planlos auf der Bezahl-Webseite herum. Nach zwei Tagen sei das Angebot vorbei. Dachte er.
Dann kam die strenge Rechnung: Statt 9 Euro fast 85 Euro. Eine niederösterreichische Gebührenfirma inkassiert das Digitalgeschäft für den ÖKM-Sexverlag aus Bad Ischl. In der Rechnung ist ausgewiesen, dass Stummer - laut seinen Angaben ungewollt - am 24. März 2008 eine unbefristete Mitgliedschaft bei www.okm-digital.com und am 28. März 2008 bei www.heutenochficken.com erworben hat. Die Rechnungsstelle argumentiert, dass er nach dem 2-Tages-Gratis-Angebot aktiv kündigen hätte müssen. Da er das nicht tat, wurde das Lockangebot Monatsabo.
Strenge Rechnung: 34,90 Euro und 39,90 Euro
Die MAXOLUTION Internet Services GmbH aus Stockern (NÖ) verrechnete 34,90 Euro und 39,90 Euro für die
30-tägige Nutzung der beiden Sex-Seiten. Dazu kamen die Tarife für den Köder der ersten zwei Tage mit 7,99 Euro und 1 Euro für das Probeangebot der anderen Seite. Also 83,80 Euro für virtuellen Sex.
MAXOLUTION, per Email: “Sollten Sie den oben aufgeführten Betrag nicht fristgerecht bis spätestens
17. Mai 2008 bezahlen, sehen wir uns leider gezwungen weitere Schritte gegen Sie einzuleiten und müssen
den Fall unserer Anwaltskanzlei und Inkassobüro übergeben!
Stummer protestiert schriftlich und weitscheifig. Ein Emaildisput entfaltet sich. Am 30. April 2008 erhielt er folgende Erklärung der MAXOLUTION (Digitalpayment) zum Thema Kündigung des Voyeur-Dienstes:
“Sehr geehrter Herr Stummer, die Kunden werden insgesamt dreimal darauf hingewiesen, dass jedes Abo gekündigt werden muss:
Drei Hinweise
1. Im Kaufformular ist deutlich vermerkt, dass jedes Abo gekündigt werden muss, hier ein Auszug (Anmeldeformular): ‘Mit dem Absenden bestätigen Sie, dass Sie mindestens 18 Jahre alt sind und Zugang zum geschützten Bereich wünschen. Sie bewahren Ihr Passwort so auf, dass Unbefugte keinen Zugriff zum geschützten Bereich erhalten. Die gewählten Zeiträume stellen die Abrechnungsintervalle dar. Ihre Registrierung wird auf unbestimmte Dauer abgeschlossen. Auch ein Testabo muss gekündigt werden. Das gewählte Intervall bei einem Testabo wechselt nach dem ersten Intervallzeitpunkt auf das Standardintervall (30 Tage - Preis siehe oben).’
2. Auch in der Kaufbestätigung finden Sie bezüglich der Kündigung einen Hinweis: ‘Der Membership Key ist erforderlich, um Ihr bestehendes Abo zu kündigen. Eine Kündigung ist immer direkt über die Login-Seite möglich!’
3. Zu allerletzt ist auch noch in den AGB beschrieben, wie gekündigt werden kann und dass jedes Abo gekündigt werden muss.”
In der Rechnungsfalle
Stummer erwiderte am 1. Mai 2008: “Wenn ich gelesen hätte, daß ihre Dienste mehr als einmalig 7.- € (ÖKM) kosten, oder bei “billig ficken”, oder wie das heißt, mehr als einmalig 1.- €, hätte ich es sicher nicht bestellt. Ich weiß nicht, wie eine Bestellung zustande gekommen sein soll. Ich habe nämlich schätzungsweise 1 bis 2 Millionen € Schulden, laufende Pfändungen und nur 15,77 € täglich Notstandshilfe und würde mir sehr schwer tun, so etwas zu bezahlen. Ich habe Ihr Angebot (außer beim ÖKM vielleicht 2 Stunden, bei billigficken etwa 15 Minuten) auch nie konsumiert! Nachdem ich kurz aufblitzen sah, ich hätte etwas bestellt oder so, brach meine Verbindung mit dem ÖKM ab. Mit freundlichen Grüßen, SEWUZ.”
Unbefristete Mitgliedschaft bei www.heutenochficken.com
Es blieb nicht bei 83,80 Euro für zwei Stunden nackte Weiber anschauen. Es kommt dicker. Die ÖKM-Kassa MAXOLUTION (Digitalpayment) macht am 15. Mai 2008 klar, wie die Dinge lägen, bislang letztes Email:
“Sehr geehrter Herr Stummer, Sie haben laut Fernabsatz die rechtsgültigen Verträge abgeschlossen, bei welchen die AGB als gelesen und angenommen bestätigt wurden (ECG). 1. aktive Mitgliedschaft: am 24. März 2008 haben Sie eine verbindliche Anmeldung zur Mitgliedschaft bei Okm-digital erklärt. Mit Eingang unserer Kaufbestätigung am 24. März 2008 kam somit ein unbefristeter Vertrag bei Okm-digital zustande.
2. aktive Mitgliedschaft: am 28. März 2008 haben Sie eine verbindliche Anmeldung zur Mitgliedschaft bei Heutenochficken erklärt. Mit Eingang unserer Kaufbestätigung am 28. März 2008 kam somit ein
unbefristeter Vertrag bei Heutenochficken zustande.”
Und: “Die Zugangsdaten gingen NUR an Ihre E-Mail-Adresse sewuz@gmx.at. Sämtliche Daten wie auch die IP-Adresse wurden beim Kauf und den Logins gespeichert.”
Noch einmal (automatisch ein Monat) verlängert - 24. April und 28. April 2008!
Ferner im ÖKM-Email (15. Mai 2008): “Da Sie bis dato keine Kündigung durchgeführt haben und die Vertragsverhältnisse auf unbestimmte Zeit abgeschlossen wurden (in den AGB beschrieben), sind Ihre Mitgliedschaften in den nächsten Abrechnungszeitraum (30 Tage) gefallen.”
“Mit Stand 12. Mai 2008 sind von Ihnen folgende Beträge manuell zu begleichen: 1. aktive Mitgliedschaft
bei Okm-digital: INK 1681643 (1. Mahnstufe) EUR 34.90, INK 1666641 (1. Mahnstufe) EUR EUR 48.70.
2. aktive Mitgliedschaft bei Heutenochficken: INK 1687962 (1. Mahnstufe) EUR 39.90, INK 1674035
(1. Mahnstufe) EUR 53.70. In Summe: EUR 177,20.”
177,20 Euro Schulden
“Wir ersuchen Sie, diesen Betrag manuell auf das unten angeführte Konto zu überweisen, da wir sonst gezwungen sind, Ihre Mahnung an unseren Rechtsanwalt weiter zu leiten: Sparkasse Horn, MAXOLUTION Internet Services GmbH” (Email: 15. Mai 2008).
Somit hat Ernst Walter Stummer ein Drittel seiner monatlichen Notstandshilfe an ÖKM verpulvert.
Damit gab er sich nicht ab. Auf Rat ließ er sich bei der Arbeiterkammer Wien einen Termin geben. Am 23. Mai 2008 erhielt er wenig Hilfe. “Dort war ich bei einer alten Jungfer, die gleich kreidebleich wurde, als sie von mir erfuhr, dass ich auf billigficken.at von ÖKM surfe. Was erwarten sie sich von einer Firma mit solchen Namen? meinte sie.” Die AK gab ihm den Tipp, beim nächsten Mal die Geschäftsbedingungen besser durchzulesen.
Stummer sitzt in der Kostenfalle in einem Abzockgewerbe der Erotikwebseiten. Da er nicht wahrnahm, dass er ein Probeangebot kündigen muss, häufen sich die Kosten beträchtlich. Die rechtliche Frage wäre, wie gut sichtbar für einen älteren Webnutzer die Vertragsbedingungen sind. Ob es eine Kulanzlösung durch den ÖKM-Verlag für den Notstandhilfebezieher gibt, ist unklar. Derzeit ist alles offen.
Auch die Rechnung.
Marcus J. Oswald (Ressort: Betrug)

