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Justizwache Stein verlor an Farbe

Veröffentlicht in Justizanstalten by marcusjoswald am Juni 13th, 2008

Schwarze Justizwache JA Stein - Foto Marcus J. Oswald - 22-12-2004

Fast vier Jahre diente ein dunkelhäutiger Aufseher in der JA Stein. Sichtbar in Gangmitte links. (Foto: Marcus J. Oswald, 22. Dezember 2004, JA Stein, Weihnachtsfeier)

(Wien, im Juni 2008) Das Zuchthaus JA Stein erfreut sich unter den 800 Inhaftierten wegen der ungeschriebenen Gesetze, die tief in die Subkultur der Kriminalität reichen, großer Beliebtheit.

Häftlinge lassen sich von anderen Häusern per dringendem Antrag nach Stein verlegen, weil sie sich nur
hier adäquat behandelt fühlen.

Erster Schwarzer in Österreichischer Justizwache

In der größten Männerstrafanstalt Österreichs war eine Zeit noch etwas anders: Hier arbeitete der erste schwarze Justizwachebeamte Österreichs. Er war seit 2002 im Corps der Wache, brachte es zum ersten Streifen auf der Schulter und schloß die Ausbildung 2004 ab.

Der hochgeschossene, schlanke Mann mit dem blitzend-weißen Gebiß ist österreichischer Staatsbürger und wuchs in Wien auf. Seine Eltern stammen aus dem Kongo. Der Dunkelpigmentierte sprach perfekt deutsch und “kann sich hervorragend durchsetzen”, wusste 2004 der mittlerweile nach 36 Dienstjahren in der JA Stein pensionierte stv. Anstaltsleiter Oberst Helmut Hrdina.

“Wenn es blede Redereien von Kollegen gibt, kummst zu mir”, sagte sein Chef.
“Wenn es blede Redereien von Insassen gibt, muasst di selbst durchsetzen”, so der Chef.

“Blede Redereien”

Hrdina hatte noch einen Witz auf Lager: “Wenn der in Wien durch den Resselpark geht, würde er wahrscheinlich
in ein Planquadrat laufen. Dann kann er zwar seinen Dienstausweis von Stein vorzeigen. Doch man würde ihm vorwerfen, er ist gefälscht.

Der Austrokongonese plante, den Dienst weiterhin am harten Pflaster JA Stein zu versehen. Doch er hatte kein langes Leben. Die schwarzen Insassen machen in Stein gut 15 Prozent aus. “Mit diesen kam er gut aus.” Unmut entstand in Kreisen der Kollegenschaft. “Er wurde regelrecht hinausgemobbt”, erzählt einer, der nicht genannt werden will.

Der Exot machte seine Arbeit gut. Umgekehrt brachte die Hautfarbe einen Sonderstatus. Eine Lokalzeitung, sonst immer beste Drähte in die Anstalt, frug um Portraits an. Informationstaktiker und Stein-Pressechef Hrdina lehnte damals strikt ab. Im 380-köpfigen Wachkörper der JA Stein war es nicht gern gesehen, wenn eine Person aus der Reihe tanzt und Soloauftritte hinlegt. Schon gar nicht einer aus dem untersten Rang.

Zukunftsmodell “interracionale” Beamte bei Justiz gescheitert

106 Sprachen werden im Babylon österreichischer Gefängnisse gesprochen, ergab eine Parlamentarische Anfrage 2006 an den Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer.

Amts- und Verkehrssprache ist deutsch, a litte bit english. 2002 wurde als positiver Beitrag gesehen, Leute in den Verwaltungsdienst aufzunehmen, die ferne Sprachdialekte und Kulturen in Grundzügen beherrschen. Man verglich die Justizwache damals mit Staatseinheiten wie Bunderheer oder Exekutive, wo bereits Afrikaner arbeiten. Doch das Stein-Experiment scheiterte in inneren Widerständen der konservativen Offizierschaft.

Der Austrokongonese versieht seit 2006 bei der Exekutive in der Rossauer Kaserne in Wien seinen Dienst.

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten)

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