Blaulicht und Graulicht – Das Online Magazin

Christian Huber vom Verdacht der Untreue entlastet

Veröffentlicht in Wirtschaft von marcusjoswald am 27. Juni 2008
STA Wien 23 St 14/08 f - 19. Juni 2008

STA Wien 23 St 14/08 f - 19. Juni 2008

(Wien, im Juni 2008) Im Immogewerbe wird mit harten Bandagen gekämpft. Die so genannten Hausherrn sind keine Herren mehr, sondern Profitgeier, die Stammgäste bei den Gerichten sind, wenn sie Mieter auf die Straße setzen wollen. Noch schärfer wird der Ton, wenn Bauspekulanten auf sozial engagierte Hausherren treffen. Dann wird mit Haifischzähnen gebissen.

Doch nicht immer folgt die Wiener Staatsanwaltschaft konkurrenzbezogenen Strafanzeigen. Nun wurde ein Verfahren gegen einen Hausverwalter (Vorwurf der „Untreue“, § 153 Abs 2 StGB) von der STA Wien eingestellt.

WOBES – Vorstand Christian Huber im Fadenkreuz eines Immohais

Dr. Christian Huber ist Geschäftsführer der Gustav Petri & Co Immobilien-Treuhand GesmbH im 1. Wiener Bezirk.

Christian Huber ist zugleich im Vorstand des Verein WOBES, der sich seit 20 Jahren mit Wohnraumbeschaffung für Haftentlassene und Obdachsuchende beschäftigt.

Streitpunkt der Anzeige gegen ihn war das Objekt Schopenhauerstraße 65, 1180 Wien. Huber war mit der Petri-Hausverwaltung für dieses Haus zuständig. Er hatte von der Hauseigentümerin Eleonore Steiner den Auftrag, das Objekt zu verkaufen. Das geschah am 9. Februar 2007. Den Zuschlag erhielt die weder sonderlich bekannte noch transparente „Neopolitan Planung und Bau GmbH„. Sie erwarb das Zinshaus, das in einem sehr schlechten Gesamtzustand ist, offenbar als reines Spekulationsobjekt. Nach dem Verkauf begannen für den treuhändischen Verkäufer Christian Huber die Probleme.

„Mietzinsminderungen“ durch Sozialwohnungen

Die „Neopolitain“ will erst nach dem Kaufabschluß festgestellt haben, dass sich in diesem Haus auch drei Wohnungen der WOBES befinden, die Langzeitverträge mit (für Mieter) leistbarem Sozialtarif haben. Die Verträge zwischen der WOBES und der Hausverwaltung PETRI wurden vor dem Verkauf (10. November 2006 und 2. Jänner 2007) abgeschlossen. Zudem stellte der Käufer „Neopolitain“ fest, dass auch die Reinigungsfirma „Quorum Reinigungs- und Dienstleistungs GmbH“, in der Dr. Christian Huber Geschäftsführer ist, am 5. Oktober 2006 ein kleines Büro mit Langzeitvertrag gemietet hat.

Der Käufer der Bruchbude, der meinte, ein gut „verwertbares“ Schnäppchen erworben zu haben mit dem sich ein schneller Schnitt machen lasse, unterstellte in der Folge, dass ihm Verkäufer Dr. Christian Huber einen „treuewidrigen Vertragsabschluss“ untergejubelt habe, da sämtliche vier Wohnungen „unter dem üblichen Zins“ (Sozialzins) vermietet seien.

Ein „Schaden“ von über 50.000 EUR sei entstanden, wurde in der Strafanzeige nach „Untreue“ geltend gemacht.

Staatsanwaltschaft mit Weitblick negierte

Die Staatsanwaltschaft Wien stellte das Verfahren gem § 90 Abs 1 StPO am 27. Mai 2008 ein. Dann forderte der um den Profit kämpfende Immohai „Neopolitan“ mit Eingabe vom 13. Juni 2008 eine „Fortführung des Ermittlungsverfahrens“.

In einem Detailbericht vom 19. Juni 2008 an die Oberstaatsanwaltschaft Wien legt die STA Wien noch noch einmal dar, warum der Tatbestand der „Untreue“ für einen erfolgreichen Gerichtsgang nicht ausreichend erfüllt sei. Es wird – zwischen den Zeilen – angedeutet, dass es sich bei der Firma „Neopolitan Planung und Bau GmbH“ offenbar um einen aggressiven Spekulanten handle, der aktuell zu diesen vier Wohnungen Prozesse am BG Döbling gegen Christian Huber führt. Die Strafanzeige sei auch deswegen lanciert worden, um Munition in den vier Kündigungsverfahren der Sozialwohnungen zu sammeln.

Dr. Christian Huber - Petri Immobilien - Objekt Schopenhauerstraße 65

Dr. Christian Huber - Petri Immobilien - Objekt Schopenhauerstraße 65: Die inszenierte Anzeige gegen Wobes-Vorstand Christian Huber nach Untreue war nur ein Versuch, das zivilrechtliche Verfahren (Räumungsklagen) strafrechtlich aufzuwerten, urteilt die Staatsanwaltschaft Wien (23 St 14/08f) am 19. Juni 2008.
(Quelle: Archiv B&G)

Damit hat die Staatsanwaltschaft tatsächlich mit sozialem Engagement reagiert. Denn wie wichtig für Resozialisier-ungsschritte güngstige Sozialwohnungen sind, in denen Haftentlassene eine Übergangswohnung haben, hat die Wiener Behörde mit der Einstellung der Anzeige eines zynischen Immobilienspekulanten erkannt.
Es dreht sich im Leben eben nicht nur alles ums schnelle Geschäft.

Der Miethai wollte Kasse machen. Das hat die Staatanwaltschaft unterbunden. Nun bleibt abzuwarten, ob der Bezirksrichter am BG Döbling so ohne weiters der Kündigung der drei Sozialwohnungen der WOBES stattgibt. „Blaulicht und Graulicht“ bleibt am Ball.

Marcus J. Oswald (Ressort: Wirtschaft)