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Gesetzloser Bankräuber zu 12 Jahren Haft verurteilt

Veröffentlicht in Bankraub, Justizfälle, Raub von marcusjoswald am 8. Juli 2008
Winchester Modell 1873: Die bekannteste Waffe des Wilden Westen, eine Winchester, verwendete ein Wiener für einen Raubzug. (Bildquelle: Buch Der Sheriff, Dietmar Krüger, Paul Pietsch Verlag, Stuttgart 1977)

Winchester Modell 1873: Die bekannteste Waffe des Wilden Westen, eine Winchester, verwendete ein Wiener für einen Raubzug. (Bildquelle: Buch Der Sheriff, Dietmar Krüger, Paul Pietsch Verlag, Stuttgart 1977, S. 302.
Bucharchiv Oswald 1090)

(Wien, im Juli 2008) Der Banküberfall im 22. Wiener Bezirk am 31. Jänner 2008 ist einer von rund 60 im Jahr in Wien. Er wird aber einer bleiben, der mit dem höchsten Strafmaß des Jahres 2008 vergolten wurde. Zuzuschreiben hat sich der 59-jährige Mann die 12 Jahre Haft selbst.

Um 10 Uhr 47 des besagten Donnerstags spazierte er im Faschingskostüm in die Filiale einer Bank Austria in Wien-Floridsdorf. Cowboy-Hut, Fransen-Gilet aus Leder, Cowboy-Stiefel und Dreieckstuch um den Hals. Noch sprach nichts von einer Straftat und man hätte den Wiener als „armen Irren“ abqualifizieren können, der gerade der Psychiatrie entsprungen ist. Doch er meinte es ernst. Im Stil eines Gesetzlosen zog er das Staubtuch über Nase und Mund und eine Winchester aus dem Koffer. Dann forderte er Geld nicht wie harmlose Bankräuber, die einen Zettel aufs Pult legen. Er drückte zwei Mal mit seiner „Winchester“ ab. Ein Schuß blieb im Röhrenmonitor des Bankangestellten stecken, der dahinter stand. Kaum Auszudenken, hätte er einen Flachbildschirm gehabt…

Fluchtwagen mit zwei Kennzeichen

Die Täterflucht gelang kurzfristig mit dem Auto seiner Freundin. Dieses hatte jedoch wie im „Kottan-Film“ zwei unterschiedliche (!) Kennzeichen. Vorne eins, das der Bankräuber im 2. Wiener Bezirk gestohlen hatte, hinten ein Schild, dass er im 22. Bezirk von einem Auto abgeschraubt hatte. Ein Tatplan zum Erbrechen.

2.000 EUR Kopfgeld wirkten auf Bekannten

Bereits am nächsten Tag wurde der Mann festgenommen. Es kam die alte Spielart des „Wilden Westen“ zum Zug: Das Kopfgeld. 2.000 EUR waren von der Polizei ausgelobt. Ein „guter Freund“ konnte dem Geldregen nicht widerstehen und lieferte den Bankräuber den Behörden aus.

Beim Prozess am Landesgericht Wien am 7. Juli 2008 verantwortete sich der 59-jährige Leopold Weiss, der
16 Vorstrafen hat und in den 70er Jahren wegen Totschlags vor dem Richter stand, mit einer Art „Trancezustand“.
Er ist Orthopädie-Patient und schluckte am Tattag viele Schmerztabletten. Die Zurechnungsfähigkeit sei dadurch jedoch nicht wesentlich eingeschränkt gewesen, so ein Gutachter.

Die scharfen Schüsse in Richtung schuldloser Bankangestellter gaben dem Gericht die Gewissheit mit 12 Jahren Haft richtig zu liegen. Von der Mordanklage sprach man frei, „schwerer Raub“ tat es auch. Die Orthopädie-Probleme hat bis 2020 nun der Anstaltsarzt der JA Stein an der Donau zu behandeln.

Marcus J. Oswald (Ressort: Bankraub)