Andrea Raninger – Leiterin Bundeskriminalamt – Auto weg!

Das ist Andrea Raninger. Sie ist Leiterin des Bundeskriminalamts und soll Kriminalprävention für Österreich betreiben. Sie kann aber nicht einmal ihr eigenes Auto schützen. (Foto: Krone, Repro: Oswald)
(Wien, im August 2008) Kürzlich ging der Herausgeber mit Ernst Walter Stummer in ein Computergeschäft im 20. Wiener Bezirk. Auf dem Weg zu DiTech wollten wir eine Straße überqueren, aber es kamen immerzu Autos. Stummer, bald 70, begann wie ein Spatz zu schimpfen: „Diese scheiß Kübeln, ich tätets alle verbieten. Und überall sitzt nur einer drinnen!“ Es war kein Hinüberkommen über die Straße. Und bei näherem Hinsehen stimmte: Überall saß in Riesenschlitten nur einer drinnen.
Überall sitzt nur einer drinnen
Es gibt einen Kalauer, wer im ethischen Sinn an der Verwahrlosung der Gesellschaft beiträgt: Derjenige, der eine Bank gründet und in den Geldverleih einsteigt, oder derjenige, der eine Bank ausraubt.
Man könnte den Kalauer erweitern und im ethischen Sinn weiterfragen, wer mehr an der Verwahrlosung an der Gesellschaft beiträgt: Derjenige, der große und immerzu neue Autos herstellt, oder derjenige, der große Autos kauft – und dann allein drin sitzt.
SUVs und Hammers
Die bescheidenen Menschen fahren Rad, gehen zu Fuß oder gliedern sich im Sinne, dass es nach dem Hamburger Soziologen Jan Philipp Reemstma drei Arten von Individuen gibt, nämlich die „assoziierten“, die „balanzierten“ und die „dissoziierten“, in die Gemeinschaft ein und fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Dann gibt es diejenigen, die in der Großstadt einen Landrover, einen SUV oder gar einen Hammer brauchen. Die Diskussion, warum normale Menschen, auch wenn sie in Führungspositionen sitzen, immer in einem dicken Auto sitzen müssen, ist so alt, wie die Diskussion darüber geht, was Macht und Repräsentation ist. Harald Hauke fuhr 2007 noch einen Mercedes Benz, der in der Neuanschaffung rund 120.000 Euro kostet. Er war einmal der Unterweltsboss von Wien. Ein Minister legt Wert auf einen Audi A8 oder einen Benz der obigen Preisklasse. Christlich ist das nicht.

Die 150 PS Pestkeule der Andrea Raninger: Toyota RAV 4 2.0 - nun gestohlen. (Foto: Werk)
Dass eine Leiterin des Bundeskriminalamts eine Pestkeule wie den Toyota RAV4 2.0 4×4 (110 kW) mit 150 PS durch die Straßen Wiens fährt, ist insoweit zu hinterfragen, weil sie mitten in der Hauptstadt wohnt und nachgewiesenermaßen keine Landärztin in den Tiroler Bergen ist.
Die Diskussion, dass SUVs in den Städten verboten gehören, ist eine alte Debatte seit es diese Autoungetüme gibt und man soll sich dieser Debatte nicht verschließen.
Dass der Bundeskriminalamtsleiterin Andrea Raninger nun in KW 34/08 ihr Auto vor der Haustür im Westen Wiens unter dem Allerwertesten weggestohlen wurde, ist eine andere Sache. Sie wurde also Verbrechensopfer.
Im ersten Halbjahr 2008 wurden in Österreich 2.557 Autos gestohlen (plus 11.05 % zu 2007).
Im gegenständlichen Verdacht stehen Profi-Ostschieberbanden.
Ohne Gespür
Man könnte auch sagen: Sie beging einen Denkfehler. Was lernt ein Ermittler zuallererst? War es nicht: Tarnung, Tarnung, Tarnung? Tarnung der Adresse, Tarnung der Biografie, Tarnung des Besitzstandes. Der beste Ermittler ist derjenige ohne Biografie.
Wer unbedingt seinem neurotischen Ego mit einer protzigen SUV-Kiste nachhelfen muss, darf sich nicht wundern, wenn sie einmal nicht mehr da ist. Ehrlich: Das Mitleid hält sich in Grenzen.
Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl)
