Mordfall Edip Sekowitsch – Spurensicherung am Tatort

Tatortermittler am dritten Tag nach dem Mord an Edip Sekowitsch im Lokal Champs Pub. Untersucht wird die Tür mit einer Ultralichtkamera. Wiedner Gürtel 16, 1040 Wien.
(Tele-Foto by NIKON: Blaulicht und Graulicht, am 29. August 2008, 14 Uhr 12)
(Wien, im August 2008) Der Wiener Doppelweltmeister, Europameister und mehrfache Staatsmeister im Boxen, Edip Sekowitsch, ist drei Tage tot und noch immer tappt die Polizei über den wahren Täter oder Hintermänner im Dunkeln.
Der festgenommene 26-jährige unter Mordverdacht stehende Tschetschene schweigt weiterhin oder will sich an nichts erinnern. Daher ist nun die Spurensicherung der Wiener Kriminalpolizei mit ihrem Können gefragt, um die Täter zu finden oder den Inhaftierten zu überführen.
Spurensuche
Heute, 29. August 2008, waren drei Tatortermittler in weißen Anzügen und grünen Essigpatschen den ganzen Nachmittag im Lokal „Champs Pub“ am Wiedner Gürtel 16 mit ihren Tatortkoffern tätig. Sie beendeten ihre Arbeit um 16 Uhr. Das Lokal wurde ausfotografiert. Sämtliche Fingerabdrücke wurden mit Folienblättern abgenommen. Sonstige Spuren wie Haare oder Stofffasern wurden aufgesammelt. Alles wurde auf Formularen protokolliert.
Die erfahrenen Ermittler der Tatortgruppe 1 des Landeskriminalamts Wien (KD 3) interessierten sich vor allem für die Eingangstür, die der oder die Täter berührt haben mussten, als sie das Lokal betreten haben.

Die Tür kann der Schlüssel sein. Im Nah-Bild besprüht ein Tatortermittler gerade den Türrahmen mit einer Flüssigkeit, um Spuren zu finden. Die Flüssigkeit tropft am Boden in ein Tuch, das aufbewahrt und in der
DNA-Datenbank untersucht wird. Wiedner Gürtel 16, 1040 Wien.
(Foto: Blaulicht und Graulicht, am 29. August 2008, 14 Uhr 45)
Auch heute herrschte vor dem Lokal „Champs Pub“ wieder große Betretenheit. Viele Passanten blieben ein paar Minuten stehen und sahen sich die Fotos in der Auslage des Lokals „Ring Frei“ an, das den Boxer bei seinen Kämpfen zeigt. Im aufgelassenen Lokal, das Sekowitsch zu Gunsten des weitaus größeren „Champs Pub“ aufgab, ist auch der Weltmeister-Pokal 1998 zu betrachten.
Grablichter
Vor dem Lokal standen heute auf den Tischen viele Duzend Grablichter und Blumen. Freunde hingen das Plakat
mit seiner Kernbotschaft „Stoppt Gewalt an Schulen“ auf und erweiterten es mit einem Portaitbild des Champs: „Edip Sekowitsch 1958-2008″. Mancher Passant hielt kurz Inne und zündete eine Kerze an. Immer wieder fuhren Serben mit dem Auto vor, stiegen aus, betrachteten die aufgestellten Bilder, schlugen ein Kreuz und trugen sich in das aufgelegte Kondolenzbuch ein.
Aus dem Haus, in dem Sekowitsch auch wohnte, kamen immer wieder schwarz gekleidete Frauen heraus und stellten neue Blumen dazu oder sprachen mit Passanten.
Am Gehsteig zeugen kreisförmige Sprühzeichen vom wilden Kampf um Leben und Tod, der sich am 26. August um
5 Uhr morgens zugetragen haben muss. Bis vierzig Meter vom Lokal entfernt wurden von der Polizei am Gehsteig
die Blutspuren eingekreist, ehe es bei Kreis 11 aufhört. Dort kam Sekowitsch zum Erliegen und starb mit fünf Stichwunden in Hals und Herz.
Mann mit Herz
Dass er ein Herz hatte, beweisen Einträge von Mittrauernden im Kondolenzbuch. So schrieb einer, der ihn erst kurz kannte, folgende Worte (29.08.2008): „Lieber Edip! Habe dich erst vor kurzem kennengelernt, du hast mir deine Trainingshandschuhe mit Autogramm gegeben. Sie bekommen einen Ehrenplatz. Kenne dich sehr wenig, aber ich habe gespürt, du bist ein sehr guter Mensch. Warum hat das passieren müssen. Werde dich nie vergessen. Axl.“

Von Edip Sekowitsch, der am 26. August 2008 ermordet wurde, wird dieser Tage sehr öffentlich Abschied genommen. Die Familienmitglieder und Freunde sind immer noch ratlos.
(Foto: Blaulicht und Graulicht)

Nach dem Kampf: Sportsmann Edip Sekowitsch errang 1998, zehn Jahre nach seiner ersten Weltmeisterschaft, ein zweites Mal den Titel.
Information zum Begräbnis: www.edip.at
Marcus J. Oswald (Ressort: Mord)


Einen Kommentar schreiben