Demonstration für LUCA

My Name is LUCA - Kerzenfeld bei Nacht - Idee: Resistance for Peace, Wien. (Foto: Oswald)
(Korneuburg/Wien, am 25. September 2008) Die Demonstration für LUCA nach dem ersten Prozesstag im „Luca-Prozess“ war ursprünglich um 20 Uhr geplant. Da der erste Prozesstag jedoch schon um 18 Uhr endet, beginnt die Kundgebung für Kinderschutz am Korneuburger Hauptplatz vor dem „Rattenfänger-Denkmal“ um 18 Uhr 30. Es ist ein Zelt aufgebaut, die Tonanlage steht bereit. Die Demonstration hat ein Programm mit zahlreichen Rednern und Musikeinspielungen. Das Medieninteresse ist groß, weil frisch durch den Prozess.
Rund 150 Teilnehmer finden sich zusammen. Vorweg geben Vereine, die in der Jugendamts- und Gerichtskritik tätig sind und den Markt des Kinderschutzes besetzen, eine Grußbotschaft. Die Vereine INHR aus Kärnten, Kindergefühle aus Salzburg und Humanes Recht aus Wien erklären sich mit der Kundgebung solidarisch und wünschen der Veranstaltung viel Erfolg.
Vernetzung und Mobilität
Anwesend sind der Veranstalterverein LUCA, der Tullner Verein Väter ohne Rechte und die Aktionsgruppe Resistance for Peace, sowie eine Delegation der Wiener „Männerrunde“. Der Tenor dieser Vereine und Zirkel, die österreichweit in ständigem Email- und Telefonaustausch untereinander stehen und Teil einer neuen, organisierten Väterrechtsbewegung sind, ist, keine übergreifende Dachorganisation zu gründen, sondern die einzelnen Vereine in ihren Bundesländern effektiv wirken zu lassen.
Bundesweite Abdeckung und Förderalismus
Abgedeckt werden derzeit sehr gut die Bundesländer Kärnten, Tirol, Salzburg, Niederösterreich und Wien.
Da jeder der Vereine über Homepages und Webforen verfügt, bleibt die Bewegung eine dynamische soziale Community, die sich untereinander austauscht und bei großen Kampagnen, etwa gegen einzelne Richter oder Gerichtsgutachter ideologisch geschlossen und solidarisch zueinander findet.
Fünf große Väterrechtsvereine werden bleiben
Es wird von den Stärkeren dieser Gruppen die Prognose gestellt, dass sich in der nächsten Zeit noch weitere politische, von Männern geführte Kinderschutzvereine gründen werden. Dann kommt die Konsolidierung und nach und nach bleiben in Österreich fünf ganz große Kinder- und Väterrechtsvereine über, die mit Rechtskunde und scharfem Auge darüber wachen werden, was Frauenrechtsvereine wie die Interventionsstelle, Frauenhäuser, ihnen übergeordnete Jugendämter und Exekutivbehörden und Bezirks- und Landesgerichte im Land anrichten.
Professionalisierung und Kampagnenstärke
Die Professionalisierung im Schriftsatzbereich und der steigende Archivbestand an Aktensammlungen nimmt mit jeder Kampagne zu. Der Verein LUCA gibt an, 150 Fälle im Datenbestand zu haben, der Verein INHR konnte in seiner besten Zeit 90 neue Fälle pro Jahr an Land ziehen, in denen Väterrechte übers Knie gebrochen wurden. Die Vereine planen den Markt konsequent anzubohren und zu erobern, um den bisher einseitigen Seilschaften von Interventionsstellen, Frauenhäusern, Jugendämtern und Freunderlwirtschaft in Exekutive und Justiz ein Gegengewicht zu bieten.
Kraftvolle Reden
Der Fall Luca ist natürlich ein großer Bindekitt unter den Gruppen, weil ein Extremfall, der viele erschüttert. Viele wollen „mit Bernhard (Haaser) den Schmerz teilen.“ Die kraftvollen Reden dienen der Binnensolidarität.

LUCA-Mann Alfred Grünberger führt durchs zweistündige Programm am Korneuburger Hauptplatz.
Eine Demonstration, die gänzlich ohne Polizeischutz auskommt. (Foto: Marcus J. Oswald)
Der stellvertretende Obmann vom „LUCA Kinderschutzverein“, Alfred Grünberger, widmet sich in seiner Rede dem Anlaßfall. Er stellt einen ganzen Forderungskatalog an die Justizverantwortlichen. Verständlich, dass der Tiroler LUCA-Verein derzeit die härteste Linie unter den Vereinen fährt. Er betrachtet das Geschehen nicht aus der Distanz, sondern steht in zahlreichen Verfahren und Ermittlungen mittendrin.
Grünberger fordert bei schweren Sexualstraftaten an Kindern „wesentlich höhere Strafen“. Ferner das „Berufsverbot“ für kindernahe Berufe wie Lehrerwesen oder Jugendvereine. Außerdem will man „dauerhafte Verwahrung“ bei schweren Fällen. Der „Ersatz der Therapiekosten“ vom Verurteilten sollte Standard werden
und „stärkere Förderungen von Kindervereinen“. Neben einem „einheitlichen Handeln der Jugendwohlfahrt bei Kindesmissbrauch“ verlangt man ein „bundesweit einheitliches Jugendschutzgesetz“. Bei der Grundsatzdebatte „Meldepflicht“ oder „Anzeigenpflicht“ spricht man sich für die harte Variante „Anzeigenpflicht“ bei Verdacht von Kindesmissbrauch aus.
An einigem des Gesagten sind Regierungen gescheitert, etwa das einheitliche Jugendschutzgesetz. Es gibt derzeit (ähnlich dem Fischereiwesen) neun unterschiedliche Landesgesetze zum Jugendschutz. Beim Thema „Meldepflicht oder Anzeigenpflicht“ entschied das Justizministerium kürzlich für die „Meldepflicht“. Hintergrund ist, dass bei Verdacht von Missbrauch oder Verwahrlosung sehr wohl eine Anzeige erfolgt, aber erst nach fachlicher Vorprüfung. Mit Verzögerung und in der Etappe – und durch Kinderschutzvereine, an die der Verdacht „gemeldet“ wird. Sie schreiben die Anzeige. Der „Ersatz von Therapiekosten“ für Folgeschäden ist ein Thema, das im Opferschutzgesetz teilweise schon erfasst ist. Freilich muss es ausgebaut werden.
Es melden sich unterschiedliche Redner zu Wort. Einer berichtet der Menge über einen eigenen, sehr zäh ablaufenden Gerichtsfall als Schicksal. Es ist ein Gemisch aus Wegweisung, Scheidungskampf, Obsorgekrieg. Anwesenden sind solche Fälle aus der Vereinsarbeit bekannt. Zustimmendes Nicken und viel Applaus. Nach Musikeinspielungen werden weiße Lufballons aufgeblasen und verteilt.

Während der Demonstration kommt Regen. Martin Stiglmayr von der Organisation Väter Ohne Rechte ficht das nicht an. Wenn er zum Mikrophon greift, können sich einige sowieso warm anziehen. (Foto: Marcus J. Oswald)
Wenn Martin Stiglmayr vom Verein „Väter ohne Rechte“ ans Pult tritt, hat er meist eine gut vorbereitete Rede mit und eine Fülle von Ansatzpunkten. Der Obmann erzählt dem Publikum, darunter viele Frauen, dass am Bezirksgericht Tulln der Bär los ist. Untätige Richter, faule Jugendamtsmitarbeiter, die aus Bequemlichkeit das Recht brechen, Obsorgeentscheidungen und Besuchszeitsregelungen im Alltag, die nicht eingehalten werden. Sanktioniert werde nichts. Man habe kapituliert.
Er ist der Ansicht, dass die Entscheidungen im Kleinen das Sittenbild der Gerichtsbarkeit prägen. Was im Kleinen nicht funktioniert, überträgt sich auf das Große. Auch er kritisiert eine durchgehende Linie der Väternachteiligkeit an heimischen Gerichten und einseitige Anwendung von Sanktionen. Bei Kindvätern ist man mit Beugestrafen schnell bei der Hand, bei Kindmüttern werden serielle Rechtsbrüche wohlwollend akzeptiert.
Ämter an die Kandare nehmen
Laut seiner Meinung müssen einige bei den Gerichten wachgerüttelt und stärker an die Kandare genommen werden. Denn offenbar nutzen viele Kindmütter Rechte für sich aus, das sie nach dem Gesetz nicht haben. Stiglmayr kritisiert das niederösterreichische Gutachterwesen und ein Familienbild, „aus dem der Vater aus der Kindeserziehung herausgelöst wird“. Er sagt das sehr überzeugt. Seine Motivationsrede erhält viel Applaus. Stiglmayr ist durch einsetzenden Regen nicht abzuhalten und wettert gegen „Netzwerke der Frauenlobbies“,
denen man nun ein Gegengewicht bietet. „Sonst haben wir eine Gesellschaft ohne Väter.“

Die Proponenten des LUCA Kinderschutzvereins (vl.): Gerald Zeiner, Bernhard Haaser, Alfred Grünberger.
(Foto: Marcus J. Oswald für Blaulicht und Graulicht)
Als einer der letzten Redner kommt Gerald Zeiner, ebenso von „LUCA“, dran. Er hat ein Buch geschrieben, das nun fertig ist. Es trägt den Arbeitstitel: „Scheidungshuren“. Der „Roman“ analysiert die neue Scheidungsindustrie und zeigt auf, wer daran verdient. Batterien von Gutachtern verdienen daran. Hochsubventionierte Frauenrechtsvereine und befreundete Anwältinnen, Frauenhäuser und Interventionsstellen. Der Grund, warum das Familienbild nicht geändert werden soll, liegt darin, dass die Lobbies dagegen sind, dass die Wegweise- und Scheidungsindustrie angegriffen wird.
Scheidungsindustrie als Gewinnler
Die Scheidungsindustrie beflügelt Nebenmärkte. Geschiedene brauchen zwei Wohnungen, zwei Konten und zwei Arbeitsplätze. Geschiedene sind auch gute Arbeitskräfte für die Industrie. Der Mann muss auch für wenig Lohn arbeiten, weil er alimentationsverpflichtet ist („Anspannungstheorie“). Dadurch ist er gezwungen, auch „billige Arbeit“ anzunehmen und hat keinen Verhandlungsspielraum im Gehaltspoker.
Tenor der Veranstaltung durch die Bank: „Man kann sich nicht vorstellen, wie es hinter verschlossenen Türen zugeht.“ Damit sind die Landes- und Bezirksgerichte, die Jugendämter und helfenden Hände in den Frauenrechtsvereinen und Anwaltssozietäten gemeint. Das kann man sich in der Tat nicht vorstellen. Eine Demonstration lebt auch von plakativen Botschaften.
Die Spannweite im „Kinderschutz“ in den von Männern geführten Kinderschutzvereinen ist weit gefächert. Sie reicht von Ermittlungs- und Gerichtsanklagearbeit bei Missbrauchsfällen, über Informationsarbeit bis hin zum puristischen Denkansatz, dass schon das „Absondern des Vaters“ oder Mannes aus der Familie „Kindesmissbrauch“ ist. Das „Wohl des Kindes“ – ein weites Feld.
Grobe Mängel bei Kinderschutz
Am Besten fasst es der aktionismuserprobte Kampagnenverein „Resistence for Peace“ zusammen, der
als steinerner Gast zwei Stunden im Regen steht und durch fünf Aktivisten ein Plakat hält. Darauf steht:
„Grobe Mängel bei Kinderschutz“. So plakativ diese Botschaft, so treffsicher ist sie.
Die Demonstration endet um 21 Uhr mit einem Gedenkteil an Luca Gardener und Schlafliedern für Kinder.
Marcus J. Oswald (Ressort: Aus den Vereinen LUCA, Demos)
