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Schweizer Stalkerin Hildegard J. B. bleibt Prozess fern

Posted in Stalking by marcusjoswald on 5. Dezember 2008
Landesgericht Wien

Landesgericht Wien

(LG Wien, am 5. Dezember 2008) Der italienischstämmige Pater Liz Giovanni Micco ist derzeit arm dran. Er lebt seinen Seelsorgerberuf und das Zölibat. Doch jemand hat etwas dagegen. “Seit 12 Jahren folgt sie ihm”, so der Wiener Anwalt Heinz Stöger, der den Pater aus Wien-Dornbach vertritt. Der “Wiener Akt” datiert von 2007. Begonnen hat es in Deutschland vor Jahren. “Sie reist ihm überall hin nach”, hält die Richterin Lucie Heindl-König um 9 Uhr im Saal 305 fest. Der feingliedrige Kirchenmann, graumeliert am Schläfenansatz und um die 45, leidet.

Auch heute kommt es zu keinem Prozss am Landesgericht Wien. Bereits am 12. September 2008 wäre der Stalkingfall Baumgartner verhandelt worden. Doch die Frau gab telefonisch und kurzfristig der Richterin bekannt, dass “ihr der Arm weh tut”. Immerhin: Vor drei Monaten bestand noch telefonischer Kontakt.

58-jährige Schweizerin

Am 5. Dezember 2008 ist die ganze Meute wieder zusammen getrommelt vor Verhandlungssaal 305 um 9 Uhr (Kurier, APA, Österreich, Krone, B&G). Doch sie kommt wieder nicht. Diesmal unentschuldigt. Dafür gab es in anderen Causen am Landesgericht Wien schon die Sanktion “Vorführung”. Doch es krankt daran: “Sie hat keinen Wohnsitz in Österreich, sondern in der Schweiz”, so Richterin Heindl-König. Ein Prozess findet daher auch heute nicht statt. Der Justiz sind die Arme gebunden. “Sie ist nicht österreichische Staatsbürgerin, sondern Schweizerin”, berichtet die Richterin. Sie wurde einmal 2007 “im Rechtshilfeweg einvernommen und hat auch in der Schweiz die Richter papierlt, indem sie fünf Mal nicht erschienen ist.”

“Du bist Christus”

Hildegard J. Baumgartner ist Jahrgang 1950 und offenbar vom smarten Pfarrer besessen. Sie sagt es auch, schriftlich im Brief hinter die Windschutzscheibe. Zwei aktuelle Briefe an den Gottesmann aus Oktober 2008 legt Opferanwalt Heinz Stöger (der Erich Ehn vertritt) vor: “Lieber Giovanni! Du bist Christus selbst”, schreibt sie.

Ohne Angeklagte gibt es kein Verfahren. Da der Pater im Publikum sitzt, will die Richterin wissen, ob es noch Kontaktversuche gibt. Dieser bejaht: “Viele Anrufe pro Tag, vier bis fünf. Unaufhörliche Telefonate.” Anwalt Stöger legt vier Seiten Telefonlisten vor.

Keine Angeklagte da

Auch sonst ist Baumgartner reisefreudig. Pro Monat kommt sie zwei Wochen nach Wien, nächtigt dann im Auto vor der Pfarre und gibt Briefe bei Mitarbeitern der Pfarre Dornbach ab. Oder sie zwickt Briefe mit “Geld für den Anwalt” hinter seine Windschutzscheibe. Das letzte Mal war sie im Oktober 2008 da. Eine EV gibt es. Doch die gilt halt nur für österreichische Staatsbürger.

Frau Baumgartner weiß auch sonst etwas. Etwa über die Frau Michaela G. und ihre “Lebensführung”. Sie ist die Buchhalterin der Pfarre Dornbach und Gitarrenbegleitung bei Kindermessen. Gegen G. hat B. etwas. Und sie meint auch zu deren Ehemann etwas zu wissen.

Staatsanwalt: “Terror geht weiter”

Der Opferanwalt sagt: “Telefonnummer ändern bringt nichts.” Der blasse, aber heute scharfzüngige und präsente Staatsanwalt sagt: “Alle zivilrechtlichen Schritte sind sinnlos. Die Anzeige datiert aus Jänner 2007. Vermerkt wird, dass der Terror weitergeht” – zur Richterin ins Protokoll.

Die Richterin will keinen Haftbefehl, “weil das nichts bringt”. Zwar sieht auch sie “Tatbegehungsgefahr” und “Fluchtgefahr”. Sie meint aber mittlerweile, dass Baumgartner “krank” ist und man ohnehin ein “Gutachten” braucht, um zu einer Entscheidung zu kommen. “Doch auch hier ist das Problem: Wenn sie zu Gericht nicht kommt, wird sie auch zum Gutachter nicht kommen.” Der Fall wirft Probleme auf.

Richterin: “Einziger Österreichbezug – Stalking in Österreich”

Der Staatsanwalt sieht das anders. Er will den Akt in die Abteilung zur Beratung dirigieren. Er will Nägel mit Köpfen machen, weil sie bereits zwei Mal fernblieb. Freilich fragt auch er, was der “Österreichbezug” bei dieser Angeklagten ist. Darauf die Richterin: “Der Österreichbezug besteht darin, dass sie in Österreich stalkt.”

Die neuen Briefe und Telefonlisten werden im Akt einsortiert, die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt. Mit Erstellung eines Gutachtens zur Frage der “Zurechnungsfähigkeit” nach § 11 StGB ist eine Prozessfortsetzung nicht vor Frühsommer 2009 zu erwarten.

Kirchenmann leidet

Pater Micco lebt im Zölibat. Der Kirchenmann leidet, erzählt er draußen am Gang des Landesgerichts. Er macht in der Pfarre Dornbach auch Telefonbereitschaft. Dann ruft fünf Mal am Tag die Frau an. Er will schon nicht mehr ans Telefon gehen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Gerichtssaal, Stalking) – Saal 305, 9 Uhr 00 – 9 Uhr 20