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Heinrich Schmatz schützt die Fritzl-Kinder (und veröffentlicht deren Umrisse)

Veröffentlicht in Dossiers, Josef Fritzl, Medien, Medienrecht von marcusjoswald am 24. Februar 2009
Heinrich Schmatz - Schützer der Fritzl-Agehörigen, indem er Bilder von ihnen veröffentlichte. (Foto: TZ Österreich)

Heinrich Schmatz - Schützer der Fritzl-Angehörigen, indem er Umriss-Bilder von ihnen veröffentlichte. (Foto: TZ Österreich)

(Wien, im Februar 2009) Am 9. September 2008 saßen Heinrich Schmatz und der Herausgeber dieses Journals im Gastgarten des Wiener Lokals „Adam“ nach einer Veranstaltung zum Gespräch. Verteilt auf anderen Tischen – denn zu uns setzte sich ja niemand: der ehemalige Wiener Polizeikapo Hofrat Ernst Geiger mit Gattin, Ländle-Gerichtsgutachter Doktor Heinrich Haller, der Zigarillo paffende Wiener Strafverteidiger-Schöngeist Ernst Schillhammer und weitere.

Heinrich Schmatz erzählte im Zwiegespräch zwar sehr ausführlich seinen Leidensweg mit der Justiz. Über versiegte Millionen und russische Geschäftspartner, Holz- und Energiegeschäfte. Aber mit keinem Wort sagte er, dass er im Besitz von 1.051 Fotos ist.

Die österreichische Welt staunte sehr, als am 9. Februar 2009 die britische Zeitung „SUN“ (dt. Sonne) auf den Seiten 12 und 13 eine Doppelseite mit zwei großen Fotos der Fritzl-Angehörigen brachte. Es waren die ersten Bilder, die seit zehn Monaten von den Verlies-Kindern des Inzest-Täters Josef Fritzl (74) veröffentlicht wurden.

In diesem Medienreich geht die Sonne nie unter.

In diesem Medienreich geht die Sonne nie unter.

Die Fotos liefen an diesem Tag unverscannt auch auf BBC und Rupert Murdochs Sky News. Sie stammen von einem unbekannten Paparazzi, der die Fritzl-Angehörigen an ihrem Wohnort bei Grein (Oberösterreich) vor Kurzem aufspürt und fotografiert hat. Weit früher stach der Österreicher alle Paparazzis mit ihren Jagdobjektiven aus. Heinrich Schmatz war zur rechten Zeit am rechten Ort: In der Nervenheilanstalt Mauer-Öhling. Wer sich mit der Justiz anlegt, kommt in den Gulag oder wird besachwaltert. Er kam in die Klinik, aber bald wieder raus. Zur selben Zeit waren auch die Fritzls mit Anhang im selben Pavillon in Behandlung.

Seine Fotos kamen Mitte 2008 mit Spy-Ausrüstung zustande. Die kleine Hochtechnologie machte es möglich, dass unentdeckt 1.051 Fotos geschossen werden konnten. Schmatz sieht sich nun als Beschützer der Fritzl-Angehörigen, die mittlerweile (wie er) nicht mehr in der Klinik, sondern am geheimen oberösterreichischen Ort bei Grein leben. Als er nun in Medien erfahren hat, dass ausländische Paparazzis den Ort ausfindig machten und auf erste Fotos warten, ging er in die Offensive.

Kurz nachdem die „SUN“ die Fotos von Elisabeth Fritzl veröffentlicht hatte, ging Heinrich Schmatz zur Wiener Zeitung „Österreich“ und zeigte seine Bildmappen vor. Schließlich erschienen einige Bilder. Jedoch nur Umrisse und starke Bearbeitungen mit veränderten Kleidungsfarben. Er hat vor allem die Kinder der Elisabeth Fritzl gestochen scharf in sehr schönen Ausschnitten, aber auch zwei Großaufnahmen der Elisabeth.

Der Foto-Lizenz-Markt bleibt heiß umkämpft. Kürzlich zahlte die größte, auflagenstärkste britische Zeitung „SUN„, deren tägliche Auflage analog zur „BILD“ bei 3.5 Millionen Stück liegt, für diverse Bilder eines 13-jährigen „Babyface-Daddy“ 11.000 Pfund.

Bauernschlau

Der schlaue niederösterreichische Bauernsohn, der seit Jahren unternehmerisch aktiv ist, will mit seinen Fotos der Fritzl-Angehörigen nicht vorrangig Geld machen und schon gar nicht die Fritzl-Angehörigen bloßstellen. Er möchte den Wettlauf um das erste Foto beenden. Die Angehörigen sollen, so Schmatz, ein Leben ohne Fotografen leben.

Auch will er aufzeigen, wie selbstgefällig und unfähig der österreichische Justizapparat ist: Laut seinen Erfahrungen im Pavillon Mauer-Öhling waren die Fritzl-Kinder gar nicht geschützt. „Ich bin neben Elisabeth auf der Parkbank gesessen“, diktiert er Wolfgang Höllriegl von „Österreich“ am 22. Februar 2009 ins Heft. Musste er auch, wegen der Mikrokameras. Sechs Wochen ging der Paarlauf, nun gehen die ehemaligen Psychiatrie-Insassen wieder getrennte Wege. Schmatz will auch weiterhin der Familie der Fritzl-Angehörigen helfen und hätte Unternehmensideen bei der kreativen Verwertung der sieben Immobilien des Patrons.

Die SUN-Fotos der Fritzl-Angehörigen (Paparazzi-Bilder) erschienen in Österreich und Deutschland wegen des Medienrechts nicht. Nach Skandinavien sollen sie aber verkauft werden. Das Alexandrische Medienreich des Rupert Murdoch umspannt den gesamten Orbit. Austria ist bekanntlich „too small for this case“. Die heimischen Medienanwälte bleiben gegen die „News Corporation“ des Rupert Murdoch, die 31 Mrd. Euro Umsatz und 5 Mrd. Euro Gewinn im Jahr 2008 machte, machtlos.

Die Familie Fritzl lebt in Oberösterreich fern der Medienwelt. Alle leben unter einem falschen Namen, Elisabeth hat laut Informationen der „Niederösterreichischen Nachrichten“ vom 15. Dezember 2008 den PKW-Führerschein gemacht. Medienrechtlich ist gerade der Umstand der neuen Identität von Brisanz. Es könnte geschehen, dass fast alle Medienklagen ein Schlag ins Wasser werden. So scheiterte „Opferanwalt“ Christoph Herbst aus Wien bereits gegen die Medien „Der Österreichische Journalist“ (DÖJ) des Salzburger Fachverlegers Johann Oberauer und gegen die „Vorarlberger Nachrichten“ (VN) des Eugen Russ mit Klagsvorbringen vor den hiesigen Landesgerichten Salzburg und Feldkirch kläglich. Beide Anträge wollten die Namensnennung der Elisabeth Fritzl verhindern. Die Klagen wurden nicht einmal zugelassen, da allein im „Google“ der Name kontextuell mit dem Geschehen in Amstetten bereits knapp drei Millionen Mal aufscheint. Am Straflandesgericht Wien gingen zwei Klagen mit größerem Erfolg über die Bühne (B&G berichtete). Einmal verlor „Österreich“, einmal verlor „Der Spiegel“.

Wanted – Josef Fritzl – Fotos

Fotos zum Kinderschänder Josef Fritzl werden immer noch gesucht. Auch bei diesem Journal gibt es immer wieder Anfragen (einige aus Österreich, BILD, zuletzt Sky News). Ein für allemal: Diese Webseite weist darauf hin, dass das Corps der Justizwache in St. Pölten familiär arrangiert ist. Jede Anstiftung, Josef Fritzl beim Duschen, bei der Essensausgabe, beim Einkauf oder Hofspaziergang in der Justizanstalt St. Pölten zu fotografieren, wäre durch die Dienstzuteilung exakt nachweisbar. Da Staatsjobs in Niederösterreich dünn gesät sind, riskiert der entsprechende Justizwachebeamte – Minimum – fünf Monate bedingte Haft und die fristlose Kündigung. Daher müsste das Honorar für solche Fotos mindestens zehn Jahresgehälter ausmachen.

Rechnet man vor, dass ein Justizwachebeamte in der JA St. Pölten 1.400 Euro netto im Monat verdient (es gibt in der JA St. Pölten Vertragsbedienstete im zweiten Dienstjahr, die nur 800 Euro netto im Monat verdienen), also 20.000 Euro im Jahr, dann müßte das Fotohonorar zehn Jahresgehälter ausmachen, damit ein Beamter das Risiko, die Schmach und die Kündigung auf sich nimmt: Also 200.000 Euro!

Ob die „SUN“ das tatsächlich zu zahlen bereit ist, steht in den Sternen.

Marcus J. Oswald (Ressort: Dossier Josef Fritzl, Medien, Medienrecht)