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Autodiebstahl in Österreich – alle 88 Minuten

Veröffentlicht in Diebstahl, Fakten, Polizeikultur von marcusjoswald am 30. März 2009
Immer mehr Autos werden gestohlen. Das Bild zeigt eine Vorstellung von einem Auto im Grünen Wald. Es ist eine Solo-Kabine in einer Wiener Peepshow. (Foto: Marcus J. Oswald)

Immer mehr Autos werden gestohlen. Dieses kann nicht gestohlen werden. Das Bild zeigt eine malerische Vorstellung von einem Auto im Grünen Wald. Es ist eine Solo-Kabine in einer Wiener Peepshow. (Foto: Marcus J. Oswald)

(Wien, im März 2009) Glücklich ist, wer Fahrrad fährt. Denn Autodiebstahl boomt. Im Jahresschnitt wurde im Jahr 2008 in Österreich alle 88 Minuten eine fahrbare Schüssel gestohlen oder der Versuch unternommen.

6.827 Autos wurden 2008 als gestohlen angezeigt. Das waren um 1.680 mehr als 2007 oder plus 33 Prozent. Ob ein Zusammenhang mit dem Wegfall der „Schengengrenze“ und der Außenverlagerung der EU-Außengrenze nach Rumänien besteht, ist in Kreisen, die Kriminalität und ihre Ursachen erforschen, heiß umstritten. Jene, die vor der Aufgabe der „Ostgrenze“ gewarnt haben, sind der Ansicht, dass die steigende Anzahl der Fahrzeugdelikte damit direkt in Zusammenhang steht.

Grundsätzlich gibt es vier Arten von Fahrzeugdiebstahl:

  • 1. Joyriding: Das meint den Einmal-Diebstahl, um eine Spritztour von A nach B zu machen. Dieser Diebstyp ist in der Minderheit.
  • 2. Carjacking: Die Entführung eines fahrenden Autos. Es wird an der Kreuzung unter Vorhalt einer Waffe angehalten, der Fahrer wird hinausgeworfen und der „carjacker“ fährt weiter. Dieser Diebstyp ist selten.
  • 3. Carnapping: Die Erpressung nach dem Fahrzeugdiebstahl. Die Lösegeldforderung bei Rückgabe des unversehrten Autos kann sich entweder direkt an den Halter oder an die Versicherung richten. Diese Deliktsvariante ist riskant, erzeugt Aufsehen in Ermittlerkreisen und daher selten.
  • 4. Der gewöhnliche Diebstahl: Das Aufknacken mit Nachschlüssel, Reiß-, Bohr- oder Schraubmethode ist die mehrheitliche Praxis. Das Auto wird vom Parkplatz verbracht, entweder im Ganzen oder demontiert ins Ausland verlagert und entweder im Ganzen oder demontiert mit Gewinn verkauft. Da mehrere Ebenen tätig sind (lokal ansässige Diebe, Mechaniker der KfZ-Branche, internationale Transporteure, ausländische Hehler), kann man von organisierter Kriminalität (OK) sprechen.

Spezialisten

Organisierte Autodiebe sind wählerisch. Premium Marken wie BMW, Mercedes, Audi und VW sind bevorzugte Typen. Glaubt man TV-Dokumentationen, sind polnische Diebe die schnellsten und besten. Sie bringen innerhalb von weniger als fünf Minuten einen BMW auf und in Gang. Selbst die beste Bordelektronik ist machtlos. Das Auto wird dann in seiner zweckmäßigen Form, als Ganzes, verkauft.

Neuer Trend ist aber, gestohlene Autos demontiert in den „Osten“ zu verschieben und als Ersatzteile in den Weiterverkauf zu geben. 2006 wurde in Litauen ein ehemaliger Flugzeughangar entdeckt, der als Riesenlager für tausende Ersatzteile neuer und in Deutschland gestohlener Autos diente. Die Fahrzeuge wurden in Deutschland zerlegt, als „Schrott“ ins Baltikum exportiert und von Litauen teilweise über Ebay und andere Handelsplattformen als Ersatzteile wieder in den deutschen Hochpreismarkt verkauft.

Auffindungsquote 50 Prozent

In Österreich werden, so das Bundeskriminalamt, die Hälfte aller Autos in Wien gestohlen (20% in NÖ, 10% in OÖ). Die gute Nachricht ist: Von allen gestohlenen Autos werden 50% wieder gefunden. Nicht alle Diebe schaffen den aufwendigen Transfer ins Ausland. Mager ist die Auffindungsquote im Ausland. Laut Statistiken: Bei sechs Prozent.

Der ÖAMTC preist ein Wundergerät an, mit dem laut Statistik 93% aller gestohlenen Autos, die das Gerät haben, wieder gefunden werden. Der Dolphin Sat-Alarm wird versteckt eingebaut und bietet eine stille GPS-Ortung via Satellit an. Kosten: 468 Euro. Der Hersteller ist Dolphin Technologies in Brunn/Gebirge.

Weitere Sicherheitsmaßnahmen

Weitere Maßnahmen sind Sperrstangen (Sicherung für Lenkrad und Gaspedal) oder ein Sperrstock als Drehsicherung beim Lenkrad (von ABUS) oder ein Einbauschalter für Stromunterbrechung. Alarmanlagen mit unabhängiger Stromversorgung (VIPER um rund 500 Euro oder METASYSTEM um rund 300 Euro) machen vor allem viel Lärm. Die beste Waffe gegen Autodiebe ist aber der im Auto eingesperrte Hund.

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Weiterführende Bezugslinks:
ABUS (August Bremicker und Söhne – Sicherheitstechnik aus Deutschland)
Dolphin Technologies (Sicherheitstechnik aus Österreich)
Flipmag (Bluemonkeys originelle PDF-Lösungen aus Österreich)

Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl, Fakten, Polizeikultur)