Refco-Anklage voraussichtlich in sechs Wochen fertig

Wiedersehen im großen Saal des Landesgericht Wien. Bald startet der BAWAG III-Prozess um hohe Kredite an das amerikanische Brokerhaus Refco. (Foto: Marcus J. Oswald)
(Wien, im April 2009) Wie gut informierte Kreise aus dem Landesgericht Wien wissen, wird in sechs Wochen die „Refco-Anklage“ fertig sein.
Damit wird bald der BAWAG III-Prozess eröffnet. Davon betroffen wird sein der im BAWAG I-Prozess zu fünf Jahren Haft verurteilte Nachfolger von Helmut Elsner, Generaldirektor Johann Zwettler.
Blitzkredit
Prozessinhalt wird der „Blitzkredit“ an das US-Brokerhaus Refco vom Oktober 2005 über mehrere hundert Millionen Euro sein. Kurz danach ging das Brokerhaus Refco, das zu den größten der Welt zählte, Ende 2005 mit Pauken und Trompeten in Konkurs. Der flüchtige Chef Phillip Bennett, 60, wurde gefasst, räumte – auf Drängen seiner Anwälte – ein, Investoren um rund 2.4 Milliarden Dollar „betrogen“ zu haben und erhielt einen Tag vor Ende des Wiener BAWAG-Großprozesses in New York 16 Jahre Haft.
Luxus
Bennett gehörte – laut internationalen Agenturberichten – zur Klasse der Reichen: Penthouse in der New Yorker Park Avenue, Landsitz in New Jersey, Privatflugzeug, 15 Sportwagen im Wert von 11 Mio. Dollar: Sechs Ferraris, drei Porsche, drei Jaguar, einen Audi, einen Bentley und einen McLaren.
In Wien wird Inhalt des neuen BAWAG-Prozesses sein, wer für die hochriskante Kreditvergabe verantwortlich war und das Leben der Gerwerkschaftsbank riskierte. Der Vorwurf lautet neuerlich auf „Untreue“.
BAWAG IV-Prozess in Aussicht
Noch keine Anklage gibt es in der „Stiefelkönig-Affäre“. Ob es einen BAWAG IV-Prozess geben wird, ist noch offen. Helmut Elsner pumpte in seiner Direktionszeit großzügige Kredite in die Schuhkette, da zwischen Firmengründer Manfred Herzl und ihm eine Freundschaft aus Grazer Zeiten bestanden haben soll. Ende 2001 betrugen die Schulden von „Stiefelkönig“ rund 100 Millionen Euro, obwohl Elsner für die Erhöhung der Kreditlinie laufend Grünes Licht gab. Unter Johann Zwettler erfolgte 2003 schließlich die Komplettübernahme der maroden Kette. Sie wurde BAWAG-Tochterfirma.
Die BAWAG-Cause ist noch lange nicht aufgearbeitet. Daher ist verständlich, dass für das Mastermind hinter dem System BAWAG, Helmut Elsner, weiterhin die Untersuchungshaft aufrecht bleibt. Sein elfter „Enthaftungsantrag“ wurde kürzlich abgewiesen. Seine Ehefrau Ruth Elsner jammert zwar stil- und mediengerecht mit einer Prise Vaterkomplex (der Gemahl ist 25 Jahre älter), dass sie von 1.200 Euro im Monat lebt und am Bettel geht.
Wer’s glaubt, wird selig.
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Zur Erinnerung:
BAWAG I-Prozess (Karibik- und Off-Shore-Geschäfte in Milliardenhöhe) – Helmut Elsner 9,5 Jahre Haft, Johann Zwettler 5 Jahre Haft sowie sieben weitere, eitle Managerpfauen, die unschuldig wie ein Baby gewesen sein wollen. In Summe: 35 Jahre Haft.
BAWAG II-Prozess („Plastiksackerlkredit an Freund Hermann Gerharter“) – Helmut Elsner 2,5 Jahre Haft, Gerharter 18 Monate teilbedingt (sechs unbedingt).
BAWAG III-Prozess (Refco-Kreditvergaben in dreistelliger Millionenhöhe) – Anklage demnächst, Ergebnis offen
BAWAG IV-Prozess (Verbindung zwischen den Grazern Manfred Herzl und Helmut Elsner und Kredite über knapp 100 Millionen Euro) – noch nicht angeklagt
Marcus J. Oswald (Ressort: Justizfälle, Wirtschaft)

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