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Väterbewegung lebt auf – aber sparsam

Veröffentlicht in Familienrecht, Männerpolitik, Scheidung, Väterrechte von marcusjoswald am 13. Juni 2009
Wiener Väterrechtler, auch in St. Pölten präsent. Im Bild Buchautor Gerald Zeiner und Humanes Recht-Obmann Robert Böck (re.). (Foto: Marcus J. Oswald)

Wiener Väterrechtler, auch in St. Pölten präsent. Im Bild Buchautor Gerald Zeiner und Humanes Recht-Obmann Robert Böck (re.). (Foto: Marcus J. Oswald)

(Wien, im Juni 2009) Die junge, politisch manchmal FPÖ-nahe bis konservative Väterbewegung lebt auf. Sie richtet ein Fest aus, das in St. Pölten am 13. Juni 2009 stattfindet. Das Wetter macht keinen Strich durch die Rechnung. Die Vereine haben keinen Strich in der Hose. Sie werden Reden halten.

Väterbewegung ist flach – Ehrenamt!

Im Gegensatz zu den Frauenvereinen, die viel Geld am Konto haben und für ihre Vereine Fixangestellte, Strukturförderungen sowie Projektförderungen (Broschüren, Folder, Bücher, Webseiten) aus dem Staatssäckel beziehen, arbeiten die Männer- und Vätervereine ehrenamtlich. Das Ehrenamt, wusste schon Thomas Klestil selig, ist das höchste Amt. Bei den Vätervereinen steht strukturelle Selbstausbeutung vor struktureller Fremdausbeutung.

70 Euro Spenden in Kassa

Das ergibt sich aus internem Schriftverkehr. Hört man hinein, klingt das so (10. Juni 2009, 9 Uhr 46) – Email von Martin Stiglmayr, Organisator des Festes in St. Pölten:

„Hallo Freunde! SENSATIONELLES Angebot am 13. Juni 2009 aus Anlass des 1. Vater-Kind-Familienfestes: Frau Hedwig ist Beziehungsberaterin und Mediatorin. Sie wird beim Fest an ihrem Stand kostenlos beraten! Bitte verteilt auch die Einladungen, soweit dies nicht schon geschehen ist.

Ich hoffe, es melden sich noch einige, die mir sagen, dass sie Spenden gesammelt haben, um die Ausrichtung des Festes zu finanzieren. Bis dato haben wir 70 Euro erhalten!

Nicht gerade viel, aber ich sag so: Besser als ein Stein am Schädel… Liebe Grüße Martin Stiglmayr.“

„Besser als ein Stein am Schädel“

Also: 70 Euro sind gesammelt. Vielleicht werden es noch 300 Euro oder mehr. Große Sprünge sind damit nicht zu machen. Der große Mäzen und reiche Onkel aus Australien oder Hongkong fehlt der Väterbewegung noch. Einen Gönner bräuchte diese Bewegung. Denn die einen machten drei Jahre ein Webforum und viel Wirbel und alles kostenlos. Andere bauten Webseiten und Vereine auf und vergaßen, dass sie dafür vielleicht eine Webförderung beantragen könnten. Ob sie eine bekämen, steht wieder auf der Rückseite. Denn das Thema „Väterrechte versus Mütterrechte“, „Männerrechte versus Frauenrechte“, ist ein rein politisches Thema. Und ideologisches Gift. Oft auch ein Frustthema. Es führt – wie das „Ausländerthema“ – oft in direkter Einbahn zu Strache.

Im Tenor oppositionelle Vereine

Die Vereine agieren in den meisten SPÖ-dominierten Ländern eher fundamentaloppositionell gegen die Politik des Landeshauptmannes/frau. Deren Stellen geben den Vereinen keine Förderung für Webseiten oder Schriftenreihen. Denn die oppositionelle Gesellschaftsarbeit (vor allem: Wien, Salzburg, Steiermark) ist konzeptuell gegenläufig zur in diesen Ländern herrschenden Politik. Und so nicht erwünscht.

Ehrenamt höchstes Amt

Soweit dieser Webseite bekannt ist, bekommen weder die Vereine Humanes Recht (Wien), Kindergefühle (Salzburg) noch Vaterverbot-Steiermark von den Landesregierungen eine Struktur- oder Projektförderung (Webseitenaufbau). Es regiert das Ehrenamt als höchstes Amt. Viel Idealismus und Geduld. Oder Zauberei.

Der Veranstalter des Kindesfestes in St. Pölten. Per Rundmail (10. Juni 2009, 10 Uhr 18) – an die Presse:

„Sehr geehrte Damen und Herren! Das bisher größte Fest aller Vätervereine steht bevor. Neben namhaften RednerInnen wird es viel Information geben. Besonders wichtig sind uns Vätern aber die Kinder. Für sie gibt es eine Menge Spiel und Spaß, eine tolle Zaubershow mit Miss Lee, eine der besten Zauberinnen Österreichs und natürlich eine Hupfburg. Bitte bewerben Sie dieses Fest in Ihrem Veranstaltungskalender! Alle, denen Familie am Herzen liegt, sind herzlich eingeladen. Mit bestem Dank für Ihre Mühe. Martin Stiglmayr.

Scheidungsindustrie

Generell zum Thema: Zu wünschen ist, dass die Förderquote für solche Vereine der Väterszene, neue Männerhäuser und Beratungsstellen für Männer exponentiell mit den Scheidungsraten im Land gesteigert wird.

Österreich hat eine unzweifelhaft diskrete Scheidungsindustrie mit Männern und Vätern als klaren Benachteiligten. 20.000 Scheidungen hat das Land pro Jahr. In 85 % der Fälle werden Scheidungen von Frauen eingereicht. In 90 % der Fälle wird Müttern die alleinige Obsorge zugesprochen. Väter werden zu Zweiwochenendvätern degradiert. In manchen Ländern wird das Scheiden sehr leicht gemacht und zum einträglichen Geschäft in der Lebensplanung. Die Spitzenreiter sind SPÖ-dominierte Bundesländer (Wien, Steiermark, Salzburg). Das schafft bei den betroffenen Vätern Frustrationen gegen die Regierenden, die diese Rahmenbedingungen schaffen und die sich im Wahlverhalten dauerhaft niederschlagen. Wenn Bauernfänger diese frustrierten Stimmen geschickt einfangen, wirkt sich das auf das politische Wahlverhalten aus. Nicht umsonst ist die einzige politische Scheidungsplattform (trennungsopfer.at) im FPÖ-Parlamentsklub zu Hause. Die SPÖ hat sich um die Scheidungsväter bisher nicht gekümmert und verliert aus dem Auge, dass in zwei Jahren mit 40.000 Scheidungen so viele Männer betroffen sind, wie die Bevölkerung der Statutarstädte Wels oder Sankt Pölten ausmacht.

Anwalt: „Nehmen sie zehn, elf Euronen mit!“

Praxisbeispiel: Kürzlich im Gespräch, ein Vater, dessen Exfrau Kind und Hälfte der Habe will. Um das zu erreichen, blies sie ihm mit vier Einstweiligen Verfügungen den Marsch. Er ging zum Anwalt (ein Landanwalt, der klassische Landzwang). Anwalt: „Herr S., kommen Sie am soundsoten. Und nehmen Sie zehn bis elf Euronen mit, damit wir mit der eben besprochenen Methode etwas gegen die vier Einstweiligen machen können.“ Darauf S.: „Herr Anwalt, die Methode habe ich verstanden. Aber eines nicht: Was sind zehn bis elf Euronen?“ Anwalt: „Na, zehn bis elf tausend Euro.“

Gäbe es Väterrechtsvereine und Männerrechtsberatungsstellen, würde der Anwaltschaft ein gewisses Basisgeschäft der Scheidungsindustrie abhanden kommen. Ohne große Verschwörungen anzustellen: Das Lobbying der Anwaltskammern funktioniert vor allem in den Städten noch. Motto: Lieber keine solchen Väterberatungsvereine fördern und groß werden lassen, denn das würde eine Geschäftsgrundlage, die nie abreißt, empfindlich stören. Solange sich zwei scheiden, lacht bekanntlich „der Dritte“.

Strategisches Investment

Das wird beim St. Pöltner Fest gewiß thematisiert und angesprochen. Buchautor Gerald Zeiner („Scheidungshuren„) ist vor Ort. Ob sich am Koordinatennetz etwas ändert, wird sich zeigen. Eine strategische Investition ist es, am Hauptplatz einer Hauptstadt ein Fest auszurichten und ins Gespräch zu kommen. St. Pölten ist nicht Gmünd oder Zwettl, sondern die Mitte Niederösterreichs. Dann müsste, zumindest aus Niederösterreich auch eine Kohle herüber wachsen, damit die Vereine auch einmal ein Büro einrichten können oder adäquates Marketingmaterial bekommen. Die Humanressourcen sind vorhanden. Die Geldressourcen fehlen für die Beratungsarbeit.

Da der Wiener Bürgermeister Michael Häupl Vereine dieser Art nicht finanziell aus dem Staatssäckel unterstützt, die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller auch nichts gibt, der steirische Landeshauptmann Franz Voves die Vaterverbot-Leute im Stich läßt, hängt es am niederösterreichischen Landespatron Erwin Pröll, ein paar „Euronen“ (=Tausender) für Struktur- oder Projektförderung herauszurücken, da die wertekonservativ, familienstabilisierend ausgerichteten Vereine, die – lässt man die radikalen bis nazistischen Hetzelemente beiseite, die es in diesen Gruppen leider auch gibt und die sofort ausgeschlossen gehören – in ihrem moderaten Kern durchaus wichtige Punkte ansprechen.

Vereinssitze nach Niederösterreich verlagern

Dem Verein „Humanes Recht“ (Wien) ist zu empfehlen – begründet durch den Obmann-Wohnsitz in Langenzersdorf – den Vereinssitz ins Niederösterreichische zu verlegen, um ähnlich dem Tullner „Väter ohne Rechte“ vor Ort auf Förderung „andrücken“ zu können.

Drei Jahre Aktivismus sind um. Das Ehrenamt ist edel, groß und frei. Doch langsam ist es Zeit, feste, finanzielle Strukturen zu schaffen. 10.000 bis 15.000 Basisförderung müssen in Niederösterreich zu holen sein. Pro Verein, der in Niederösterreich sitzt. Auch dazu ist man auch am 13. Juni 2009 am Hauptplatz in Sankt Pölten. Hüpfburg und Zauberanimation hin oder her. Denn nichts ist nur so. Aus Luft und Liebe etwa für die Kleinsten und Kleinen.

Knieschoner und Knien vor Strache

Das wissen die Verantwortlichen ohnehin und sie brauchen nicht den Ratschlag des B&G-Herausgebers. Zu hoffen ist nach wie vor, dass sich in dieser Bewegung, die inhaltlich Sinn macht, wenn sie überparteilich bleibt, die sachorientieren, moderaten Kräfte durchsetzen und denen, die asozial und systematisch gegen „Grüne“ und „SPÖ“-Nahestehende hetzen und denunziativ vorgehen, die Rute ins Fenster gestellt wird. Denn die Väterrechtebewegung kann nur in Geschlossenheit auf breiter Basis Themen durchsetzen. Nicht aber in missverstandener Form.

Manche in dieser Bewegung haben die Knieschoner unter dem Bett. Sie werfen sich nach dem Nachtmahl masochistisch auf den Boden und beten zum 39-jährigen Zahntechniker. Diese eingeengte, parteipolitische Sicht hat die Väterrechtebewegung im letzten Jahr undurchlässig für Argumente gemacht und fast ruiniert. Die gemäßigten und vernünftigen Aktivisten werden sich durchsetzen müssen, da man mit Themen gesellschaftsfähig bleiben muss.

Den sozialdemokratischen Landesregierungen ist anzukreiden, dass sie solche Vereine nicht fördern. Denn letztlich ist es wie mit dem Gemeindebau: Verliert der Mensch dort seine Lebensqualität – aus rationalen oder irrationalen Gründen – läuft er den politisch radikalen Kräften in die Arme. Der Scheidungsfaktor in Österreich wurde eine gesellschaftliche Größe, die einen hohen Frustfaktor erzeugt. Frustwähler landen immer Rechtsaußen. Daher sollten Landesregierungen in einem föderalen Staat auch Beratungsvereine aus dem Vätersektor gut fördern. Denn am Ende wählen sie alle rechtsextrem und tragen den schlechten Ruf Österreichs nach Außen. Solche Leute muss man mit Geld ruhigstellen und einkaufen. Man wird die Entwicklung weiter beobachten müssen.

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Marcus J. Oswald (Ressort: Familienrecht, Männerpolitik, Scheidung, Väterrechte)