AWD und Advofin haben gleiche Konzernmutter

Interessante Wende: Jene, die Saubermänner sein und AWD klagen wollen, sind selbst Teil des Mutterkonzerns.
Das deckte ein Leser der Nachrichtenillustrierten NEWS auf. (Foto/Grafik: NEWS, 26-09, S. 54)
(Wien, im Juli 2009) War es Christian Neuwirth oder Ossi Hicker, die einmal dem Herausgeber folgendes sagten: „Wir bei NEWS werden zwar sehr gut bezahlt, aber wir müssen jede Woche Sensationen präsentieren. Das geht kaum.“ War das Christian Neuwirth, wäre es denkbar. Er ging weg und ist heute Pressesprecher im Verfassungsgerichtshof. (Davor schrieb er noch mit diesem Andreas Kuba ein eher merkwürdiges Buch zu Franz Fuchs mit Titel „Totort“.) Ossi Hicker ging in die Einschicht nach Sankt Pölten und macht dort Höllenjournalismus für Eva Dichands „Heute“, ein Gratisblatt für multitaskingfähige Leser zwischen Handytelefonat und Brotjause.
Käseblatt „News“ deckt auf
„News“ wurde ein komplettes Käseblatt. Zum Käsebrot im Café liest es der Herausgeber noch immer, wegen der schönen Bildchen. Es ist nett zum Durchblättern und Fernsehersatz. Publizistisch ist es Häppchenjournalismus und gänzlich wertlos. Wenn man sich ansieht, welche Leute dort Chronik-Journalismus nahe an der strizzihaften Käuflichkeit machten (Andreas Zeppelzauer, Christian Mey und andere), darf man dieses „Magazin“ eigentlich nicht einmal mit der Mistzange angreifen, um den Hautausschlag zu vermeiden. Inhaltlich ist das Heftl keine 10 Cent Wert. Aber wie gesagt: Zum Käsebrot im Café wird es gelesen. Kürzlich wurde eine Seite sofort geschlitzt. „News“ brachte es zustande zu überraschen.
Leserreporter
Fühlt man der Quelle auf den Grund, ist es aber wiederum nicht die ach so tolle Rechercheleistung der Medien-Schraubenfabrik eines Ruhrpottdeutschen, sondern es war ein Leser, der auf etwas aufmerksam machte. Der Leser hatte 8.000 Euro bei AWD verloren und ist einer dieser „Kleinanleger“, die nun Recherchen zur AWD-Organisation anstellen. Dieser Leser macht es gescheit: Er vertraut Anwälten nicht. Das ist eine gesunde Einstellung. Traue nie einem Anwalt!
„Sammelkläger“ klagen eigenen Konzern?
Der Leser machte „News“ darauf aufmerksam, dass die Prozessfinanzierer-Firma mit Namen „AdvoFIN“, die damit prahlt, dass sie AWD mit einer „Sammelklage“ bearbeiten werde, selbst Teil des Konzerns ist. Das ergibt sich aus den neuen Eigentümerverhältnissen. Als AWD-Gründer Carsten Maschmeyer die Firma 2008 an die Schweizer Lebensversicherungsgesellschaft „Swiss Life“ verkaufte, ergab sich die neue Struktur. Denn die Firma „Swiss Life AG“ kaufte bereits im März 2007 die in Liechtenstein ansässige Firma „Capital Leben AG“. Die „Capital Leben“ ist der größte Aktionär (47,08%) von „AdvoFIN“, jener Prozessfinanzierer, der nun tausende Klagen gegen AWD sammelt.
Geht’s AdvoFIN nur um 34% Provisionen?
Hier kommen viele Zweifel auf, ob die „AdvoFIN“ wirklich die richtige Adresse ist, um den Finanzhaien rund um Maschmeyer die Zähne zu ziehen. Oder ob nicht alle verarscht werden. Steht nicht die „Erfolgsbeteiligung von 34%“ im Mittelpunkt? Der „News-Leser“ bleibt bei seiner Strategie: „Traue nie einem Anwalt. Die halten alle zusammen.“ Die Glaubwürdigkeit der AdvoFIN in der Sache AWD ist am Boden.
Marcus J. Oswald (Ressort: Wirtschaft)

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