Neun Monate Strukturermittlungen gegen Jugo-Bande in Wels – Polizei sprengt Drogenring

Auf das Landesgericht Wels kommt ein großer Suchtgiftprozess zu. Hauptakteure: Exjugoslawische Asylwerber.
Es geht um bis zu 44 Kilo Heroin, Geldverleih und viel Brutalität. (Foto: Marcus J. Oswald)
(Wels/Wien, im Juli 2009) Viele können sich noch erinnern, als 2001 30 Suchtgiftdealer vor dem Welser Strafrichter saßen. Einer fehlte. Der Hauptangeklagte floh aus der Justizanstalt Wels. Als die Generalsanierung stattfand und auch das Tor zur Justizanstalt neu gemacht wurde, spazierte er einfach ins Freie. Für die anderen aus dem Dealerring gab es mittelhohe Haftstrafen bis zu fünf Jahre.
Im Juli 2009 beendete die Sicherheitsdirektion Oberösterreich einen gewaltbereiten Ring exjugoslawischer Drogenhändler. Nach neun Monaten Ermittlung, an der die Einsatzgruppe Suchtgift (EGS OÖ), das Bundeskriminalamt (BK) und Kriminalbeamte der politischen Bezirke Wels-Land, Grieskirchen und Linz-Land zusammenhalfen, ging eine in Wels ansässige, aber überregional agierende Drogenbande ins Netz.
Jugo-Bande
Die Gruppe besteht aus Asylwerbern und Zuzüglern aus dem ehemaligen Jugoslawien (Mazedonien, Albanien, Südserbien und Kosovo). Die Gruppierung steht im Verdacht große Mengen „Hoches“ (Kokain) und vor allem „Tiefes“ (Heroin) in Oberösterreich und Salzburg in Umlauf gebracht zu haben.
Als „Drogenboss“ trat ein 27-jähriger, beschäftigungsloser Asylwerber auf. Sein 25-jähriger, beschäftigungsloser Bruder und dessen 29-jähriger, beschäftigungsloser Cousin bildeten das Machtzentrum der Bande. Alle drei waren in Wels wohnhaft und wurden verhaftet. Sie stehen im Verdacht, insgesamt 44 Kilo Heroin und 250 Gramm Kokain eingeführt und verkauft zu haben. Der Schwerpunkt lag auf Heroin, das vier Drogenkuriere in präparierten PKWs aus Mazedonien oder mit dem Taxi aus Tschechien nach Österreich geschmuggelt haben, so die Polizei in einer ersten Stellungnahme nach dem Ermittlungserfolg.
Heroin im Großraum Wels vertrieben
Das Heroin wurde im Großraum Wels und Linz sowie in Salzburg mit Gewinnspanne verkauft oder weiter nach Deutschland, Tschechien und die Schweiz geschmuggelt. 13 Personen wurden festgenommen, zehn Personen wurden auf freiem Fuß angezeigt.
Es fanden in den letzten neun Monaten zehn Hausdurchsuchungen fanden statt, bei denen neben Suchtgift auch verbotene Waffen wie Stahlrute und Schlagring, 140 Stück scharfe Munition für eine Faustfeuerwaffe, gefälschte slowenische Reisepässe, Führerscheine und Identitätskarten sichergestellt wurden. Zwei Verdächtige, die Ende 2008 illegal nach Österreich einreisten, wurden vom Drogenboss mit gefälschten Papieren ausgestattet, um in Österreich ungehindert dem Verkauf von Drogen nachzugehen.
Auch im Geldverleih tätig
Die drei Anführer des kriminellen Rings sollen im großen Stil auch im illegalen Geldverleih tätig gewesen sein. 200.000 Euro wurden mit 20 Prozent Wucherzinsen pro Monat verliehen, die teilweise auch wöchentlich eingetrieben wurden. Die Kreditnehmer sollen, so die Polizei, zum Teil mit Waffengewalt und hoher Brutalität sowie Morddrohungen zur Rückzahlung der Zinsen und Außenstände genötigt worden sein. In einem Fall soll einem Opfer eine Pistole in den Mund gesteckt worden sein. Ein weiterer Kreditnehmer soll mit einem E-Schocker gequält worden sein. In einem Fall soll jemand mit einer Stahlrute traktiert worden sein, so die Polizei über die Jugo-Bande.
Der 27-jährige „Drogenboss“ demonstrierte am ersten Hafttag seine Kampfbereitschaft. Er zerlegte die gesamte Zelleneinrichtung im Polizeianhaltezentrum Linz und leistete Widerstand gegen die Staatsgewalt, indem er gegen Polizisten handgreiflich wurde. Der Drogenprozess wird voraussichtlich am Landesgericht Wels stattfinden.
Marcus J. Oswald (Ressort: Suchtgift)

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