Cold Case - Bankomatkarte gestohlen, Konto geräumt

Mutmasslicher Bankomatkartendieb 2004: Hat fremdes Geld behoben und ist noch immer nicht gefaßt. (Foto: BMI)
(Wien, im September 2008) Da bei der Aufklärung von Diebstahl wenig weitergeht, will diese Seite helfen. Vielleicht wird eine kalte Spur heiß.
Der Mann auf Foto steht im Verdacht eine österreichische Bankomatkarte gestohlen und Geld behoben zu haben. Gestohlen wurde sie entweder in Znaim/Tschechien oder in Gerasdorf (Bezirk Korneuburg).
Ende Mai 2004
Erste Behebungen fanden am 28. Mai 2004 statt. In den Folgetagen wurde das Konto geräumt. Behebungen folgten in Guntersdorf (Bezirk Hollabrunn), in Bankfilialen im 2. und im 5. Wiener Bezirk und später auch in Tschechien.
Der Täter blieb unbehelligt, obwohl das Foto einen Eindruck gibt, wie er ausgesehen hat. Er könnte Österreicher, aber auch Tscheche oder Rumäne sein. Er wurde Ende Mai 2004 gefilmt.
Die Polizei in 2042 Guntersdorf, Tel. 059133-3412, ersucht um Hinweise.
Weiteres Foto des Diebes:
Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl)
Andrea Raninger - Leiterin Bundeskriminalamt - Auto weg!

Das ist Andrea Raninger. Sie ist Leiterin des Bundeskriminalamts und soll Kriminalprävention für Österreich betreiben. Sie kann aber nicht einmal ihr eigenes Auto schützen. (Foto: Krone, Repro: Oswald)
(Wien, im August 2008) Kürzlich ging der Herausgeber mit Ernst Walter Stummer in ein Computergeschäft im 20. Wiener Bezirk. Auf dem Weg zu DiTech wollten wir eine Straße überqueren, aber es kamen immerzu Autos. Stummer, bald 70, begann wie ein Spatz zu schimpfen: “Diese scheiß Kübeln, ich tätets alle verbieten. Und überall sitzt nur einer drinnen!” Es war kein Hinüberkommen über die Straße. Und bei näherem Hinsehen stimmte: Überall saß in Riesenschlitten nur einer drinnen.
Überall sitzt nur einer drinnen
Es gibt einen Kalauer, wer im ethischen Sinn an der Verwahrlosung der Gesellschaft beiträgt: Derjenige, der eine Bank gründet und in den Geldverleih einsteigt, oder derjenige, der eine Bank ausraubt.
Man könnte den Kalauer erweitern und im ethischen Sinn weiterfragen, wer mehr an der Verwahrlosung an der Gesellschaft beiträgt: Derjenige, der große und immerzu neue Autos herstellt, oder derjenige, der große Autos kauft - und dann allein drin sitzt.
SUVs und Hammers
Die bescheidenen Menschen fahren Rad, gehen zu Fuß oder gliedern sich im Sinne, dass es nach dem Hamburger Soziologen Jan Philipp Reemstma drei Arten von Individuen gibt, nämlich die “assoziierten”, die “balanzierten” und die “dissoziierten”, in die Gemeinschaft ein und fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Und dann gibt es diejenigen, die in der Großstadt einen Landrover, einen SUV oder gar einen Hammer brauchen. Die Diskussion, warum normale Menschen, auch wenn sie in Führungspositionen sitzen, immer in einem dicken Auto sitzen müssen, ist so alt, wie die Diskussion darüber geht, was Macht und Repräsentation ist. Harald Hauke fuhr 2007 noch einen Mercedes Benz, der in der Neuanschaffung rund 120.000 Euro kostet. Er war einmal der Unterweltsboss von Wien. Ein Minister legt Wert auf einen Audi A8 oder einen Benz der obigen Preisklasse. Christlich ist das nicht.
Dass eine Leiterin des Bundeskriminalamts eine Pestkeule wie den Toyota RAV4 2.0 4×4 (110 kW) mit
150 PS durch die Straßen Wiens fährt, ist insoweit zu hinterfragen, weil sie mitten in der Hauptstadt wohnt und nachgewiesenermaßen keine Landärztin in den Tiroler Bergen ist.
Die Diskussion, dass SUVs in den Städten verboten gehören, ist eine alte Debatte seit es diese Autoungetüme gibt und man soll sich dieser Debatte nicht verschließen.
Dass der Bundeskriminalamtsleiterin Andrea Raninger nun in KW 34/08 ihr Auto vor der Haustür im Westen Wiens unter dem Allerwertesten weggestohlen wurde, ist eine andere Sache. Sie wurde also Verbrechensopfer.
Im ersten Halbjahr 2008 wurden in Österreich 2.557 Autos gestohlen (plus 11.05 % zu 2007).
Im gegenständlichen Verdacht stehen Profi-Ostschieberbanden.
Ohne Gespür
Man könnte auch sagen: Sie beging einen Denkfehler. Was lernt ein Ermittler zuallererst? War es nicht: Tarnung, Tarnung, Tarnung? Tarnung der Adresse, Tarnung der Biografie, Tarnung des Besitzstandes. Der beste Ermittler
ist derjenige ohne Biografie.
Wer unbedingt seinem neurotischen Ego mit einer protzigen SUV-Kiste nachhelfen muss, darf sich nicht wundern, wenn sie einmal nicht mehr da ist. Ehrlich: Das Mitleid hält sich sehr in Grenzen.
Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl)
Für Robert Mang ist es ausgestanden - Entlassung!
(Wien, im August 2008) Alles hat ein Ende, auch die Wurst hat zwei. Was 2003 mit einem geschickten Einstiegsdiebstahl über das Baugerüst ins Kunsthistorische Museum (KHM) begann, endete 2005 beim Gerichtsverfahren mit vier Jahren Haft. Und weil die Richter am Oberlandesgericht Wien böse sind, gaben
sie beim Berufungsverfahren durch den Staatsanwalt noch ein Jahr drauf.
Gerechtigkeit
Doch es gibt auch gute Richter. Etwa am kleinen Vollzugsgericht Steyr in Oberösterreich. Dieses sagte nun:
Aus und vorbei. Robert Mang bekommt als ehedem nie krimineller Wiener die Halbstrafe.

Robert Mang, der Mann, der die Saliera so sehr liebte, dass er sie gleich mitnahm und zwei Jahre unter seinem Bett versteckte. Das war - inmitten dieser Scheidungswirren - natürlich kompletter Unfug. (Foto: Love.at)
Somit kann der 51-Jährige bald wieder optimistisch der Sonne entgegen sehen. Genauer: Im Okotober 2008.
Auf die Tage. Alles hat ein Ende, auch die Wurst hat zwei.
Marcus J. Oswald (Ressort: Justizanstalten)
Einbrecher Stummer selbst bestohlen - Handy weg!
Ohne sein geliebtes Handy ist Einbrecherking und Partnervermittler Ernst Walter Stummer aufgeschmissen. Nun steht der König ohne Kleider da! (Foto: Marcus J. Oswald für diegalerie)
(Wien, im Mai 2008) Der Wiener Ernst Walter Stummer wurde gestern Opfer eines gerissenen Diebs.
Ihm wurde das Handy gestohlen, sein Markenzeichen, das er immer am Band um den Hals trug.
Der 69-jährige “König der Einbrecher”, zumindest wenn man es an den ausgefassten Haftjahren berechnet,
wurde Opfer seiner Gutmütigkeit und Leichtgläubigkeit. Eine Anzeige ist “bereits aufgesetzt”, so Stummer.
Die Sache geschah in einer Kleinwohnung, die Stummer seit Wochen in der Rufgasse (9. Wiener Bezirk) saniert.
Die Gemeindebauwohnung gehört einem gewissen “Karl”, der noch bis Februar 2009 in der JA Eisenstadt sitzt. Zwischendurch bewohnte die 40 Quadratmeter der Homosexuelle Mario Feldhaas, der jedoch seit Oktober 2007 in der JA Josefstadt sitzt und für drei Delikte 5.5 Jahre Haft erhielt. Dann stand die Wohnung leer.
Um “Karl” einen Dienst zu erweisen, räumte Stummer mit eigener Muskelkraft ab November 2007 die Wohnung, um sie bis Februar 2009 zu vermieten. Er stemmte Leitungen, setzte Flanschen, baute eine Badewanne ein, malte aus. Am 19. Mai 2008 zieht dort ein Pole ein (Miete: 250 Euro).
Täter aus Suchtgiftkreisen - Substuierter
Am Samstag 17. Mai 2008, ging Stummer mit blauer Jeansjacke bekleidet in den dritten Stock der Stiege 2 zur Wohnung Rufgasse hoch. Kurz vor der Tür musste er “über einen Mann drübersteigen, der um 14 Uhr auf den Steinstiegen schlief”. Der etwa 20-jährige Drogensüchtige stand in den letzten Wochen schon zwei Mal vor der Tür, um nach “Mario” zu fragen. Diesmal ignorierte Stummer ihn und ging in die Wohnung. Nach einer halben Stunde klopfte es. Der Stiegenhausschläfer war erwacht. Er bat auf die Toilette gehen zu dürfen. Widerwillig öffnete Stummer, ließ den Mann ein. Dieser sah sich in der Einzimmerwohnung kurz um, öffnete Schubladen, ging auf die Toilette und verabschiedete sich. Neben der Tür hingen Jeansjacke und Handy.
Stummer bemerkte den Diebstahl in der Minute. “Ich lief ihm sofort nach. Drei Stockwerke nach unten, durch den Hof, bis auf die Straße. Und ich kann schnell laufen, trotz meines Alters.” (Stummer gewann einmal eine Bundesmedaille im Kurzstreckenlauf, Anm. B&G) “Ich lief vor bis zur Nußdorferstraße. Nichts. Ich lief zurück.
Auf Stiege 2 in den Keller und bis hinauf ins Dachgeschoß. Er war weg.”
Stummer macht sich keine Illusionen: “Es ist bereits für 20 Euro am Karlsplatz verkauft.” Namen vom Täter hat er keinen, aber er weiß, dass das einer der “warmen Freind” des Mario Feldhaas ist, der bei ihm auch öfters nächtigte. Substituiert sei er. “Der wird halt Tabletten gebraucht haben. Da er keine Tabletten in der Wohnung gefunden hat, hat er halt das Handy mitgenommen”, gibt sich Stummer verständnisvoll.
Viele Ausländerinnen eingespeichert
Im ONE-Handy sind viele Telefonnummern von thailändischen und philippinischen Frauen enthalten, die Stummer in seiner Freizeit an heiratswillige Wiener - und sich selbst - vermittelt. Die Nummern der Singlefrauen sind alle weg. Termine fallen ins Wasser.
Stummer, verärgert, in seiner charmanten Art: “Ich hätte heute (Sonntag) ein Rendevous mit einer Philippinin gehabt. Da bin i im Oasch daham. Da kann ich wixen. Aber das könnt i wahrscheinlich sowieso, a nochdem i sie troffen hab. Weil die wird si sicherlich net glei budern lossn.”
Link: Partnervermittlung Stummer
Marcus J. Oswald (Ressort: Diebstahl)
Kunstdiebstahl aus Lebenskrise - 4 Jahre Haft für Robert Mang
(Wien, im September 2006) Jeder Prozess um rumänische Hütchenspieler oder einen rauschgiftabhängigen BIPA-Serienräuber ist interessanter. Kriminaltaten von unbescholtenen Einzel- und Singulartätern (dazu gehören auch Blut- und Mordtaten) sind meist wenig interessant.
Sie geschehen in Lebenskrisen - wer hat diese nicht selber? Kriminaltaten aus Depression fehlt der Dämon, das grundlegend Elementarböse, die kriminelle Energie. Der Fall Mang ist kein Prozess des Jahres.
Wurstigkeit ist nicht kriminelle Energie
Mit 46 trennte sich seine Frau von ihm. Sein Anwalt Soyer sprach davon, dass sich bei ihm eine “innere Wurstigkeit” einstellte. Nach der Scheidung ging die Ex-Frau eine Beziehung mit einem anderen Mann ein. Das machte es nur schlimmer. Ihm gingen zunehmend die Kopfhaare aus. Das machte es noch schlimmer.
Mit 47 erfuhr er, dass er Krebs hat. Ärzte sagten, dass es in zehn Jahren mit ihm steil bergab geht. Die Midlife-Crisis wurde total und komplett: Frau weg, Kinder weg, Haare weg, Gesundheit weg. Zu künftigen Metastasen und grausamem Ende wuchsen Existenzängste. Wer existenzielle Angst hat und keine Lösung sieht, öffnet dem Bruder Leichtsinn die Tür ins Bewußtsein.
Innere Leere mit Einbruchsdiebstahl überbrückt
Er beging einen Diebstahl. Keinen Laden- oder Handtaschendiebstahl. Einen Kunstdiebstahl. Den Tatort kundschaftete er eher zufällig aus. Wenn ein Mann, der einmal alles hatte - Frau, Kinder, Firma, gutes Aussehen und Verdienst - in seinem Alter (50) einsam wird, sucht er Orte der Begegnung auf. In diesem Fall war es der Tatort.
Er besuchte das Kunsthistorische Museum. Allerdings nicht wegen der “Alten Meister”, sondern wegen der “jungen Italienerinnen”.
Während er auf die “jungen Italienierinnen” achtete und “ihnen nachging”, fiel ihm auf, dass das Gebäude schlecht alarmgesichert sei. Wenn ein Mann in seinem Alter, der einmal alles hatte, einsam wird, öffnet er Bruder Leichtsinn die Tür. Am 11. Mai 2003 stieg Robert Mang mehrere Etagen auf ein Baugerüst, schlug das Fenster zum Museum ein. Er griff das erstbeste Stück in Fensternähe, das in der Vitrine lag. Es war zufällig auch das Wertvollste im Haus. “Es war rein das Reinkommen und denen was Wegnehmen”, so Mang zum Richter. “Es war sehr leicht.” Auch das Rauskommen war leicht. Entdeckt wurde er nicht. Seine Fingerabdrucke schienen nicht auf - unbescholten.
“Ich war überrascht, dass man mich zwei Jahre nicht fand.”
Kunstwerk unter Bett
Da seine Ex-Frau nicht mehr unter dem Bett sauber machte, da sie nicht mehr da war, stellte er die “Saliera” zwei Jahre lang im Reisekoffer unters Bett. Später vergrub er sie fachgerecht in einem Wald im niederösterreichischen Brand, seine ländliche Zufluchtheimat.
Aus den Medien erfuhr er, wo das Kunstwerk versichert war. Da es in Österreich nur eine große Kunstversicherung gibt, die “Uniqua”, schrieb er dorthin einen Brief. “5 Millionen Euro” forderte er, später “10 Millionen Euro” - sonst werde das Salzfass goldenes Pulver. Finanzielle Absichten hatte er in Wahrheit nie. Er verdiente gut , war ungefährdet. Doch die Frau war weg, keine neue in Aussicht, die Inserate auf “www.love.at” blieben ohne Erfolg. Aus dem Einbruchsdiebstahl aus Midlife-Crisis wuchs so etwas wie ein Erpressungsversuch aus schwerer Midlife-Crisis. So machte er halt auch noch dieses. Sein Anwalt sprach davon, dass es “Eigendynamik” bekam. Unerklärbar, eigentlich.
Die große Müdigkeit
Der Fall Mang ist kein großer Kriminalfall. Er ist auch kein großer Erpressungsfall. Eher ein Kriminalfall aus depressiver Müdigkeit. Am Ende Selbstanzeige, Rückgabe der Saliera, Musterhäftling im Gefängnis.
Richter Stockhammer sah keine Erpressung, nur eine versuchte schwere Nötigung. Der Diebstahl war schwerwiegend auf Grund der Versicherungshöhe. Der Umstand des ungesicherten Baugerüstes am Museum schuf Nachsicht vor Recht. 4 Jahre Haft (48 Monate), real nach 32 Monaten Ende. Nun noch doppelt erschwerendes Damenungemach: Die Staatsanwältin geht in Berufung. Die Exfrau ist noch immer weg.
Robert Mang, der blass und abgemagert wirkt, wird es überstehen wie der Herausgeber seine Grippe. “Ich genier’ mich für das Ganze irrsinnig”, sagt er zum Schluss. Auch das sagt kein großer Meisterdieb.
Marcus J. Oswald (Ressort: Justizfälle)





