Philippinen killt Todesstrafe
(Manila/Wien, im Mai 2008) 1.200 Insassen in Todeszellen auf den Philippinen konnten aufatmen.
Ende Juni 2006 unterzeichnete Staatspräsidentin Gloria Macapagal Arroyo ein Gesetz, das die Todesstrafe abschaffte. Die Strafe wurde zuletzt noch unter dem später selbst von der Justiz gejagten Präsidenten und Experten für Vetternwirtschaft, Joseph Estrada, exekutiert. Seit 2000 kam es de facto aber zu keinen Hinrichtungen mehr.
1987 weg - 1993 wieder da - 2000 ausgesetzt - 2006 abgeschafft
Die Todesstrafe erlebte im 90-Millionen-Einwohnerland Philippinen ein stetes Auf und Ab. 1987 wurde sie offiziell abgeschafft. Damals strich man die death penatly aus der Verfassung. Sechs Jahre später, in den blühenden wie korrupten 90ern, konkret 1993, wurde sie für Kapitalverbrechen wie Mord, Entführung, Rauschgifthandel und Vergewaltigung wieder belebt. Zwischen 1993 und der neuerlichen Aussetzung im Jahr 2000 wurden sieben Menschen hingerichtet.
2006 - kirchliche und weltliche Interessen
Bei der erneuten Streichung aus dem Strafenkatalog 2006 ging es im südostasiatischen Staat nicht um Gnade oder Mildtätigkeit, sondern um harte Politik und die Kunst des Kompromisses. Wie auch anderswo zählen nicht die Häftlinge, sondern Interessen im Namen der Häftlinge.
Im July 2006 bereiste Präsidentin Arroyo den Vatikan, um demokratiepolitische Fragen bezüglich den Philippinen zu bereden. Arroyo plante eine Verfassungsänderung zu Gunsten eines parlamentarischen Systems. Die mächtigen Bischöfe im schwer katholischen Inselstaat lehnten das ab und wandten sich gegen staatliche Demokratisierungsschritte.
Da die Weltkirche per vatikanischem Dogma die Todesstrafe als unethisch ablehnt, kam Arroyo den Bischöfen mit der Abschaffung der Todesstrafe entgegen, um sie bei geplanten Verfassungsreformen auf dem Weg zur parlamentarischen Ordnung in den Philippinen auf ihrer Seite zu haben.
Marcus J. Oswald (Ressort: Todesstrafe)
14 Millionen Dollar Haftentschädigung für Thompson
(Wien/New Orleans, im Februar 2007) Es ist wohl die höchste Haftentschädigung in der westlichen Welt, die für ungerechtfertigten Staatsgewahrsam einem ehemaligen Insassen einer Todeszelle zugesprochen wurde.
John Thompson wurde 1984, in dem nicht George Orwells Roman geschrieben wurde, aber die olympischen Sommerspiele in Los Angeles stattfanden, wegen eines angeblichen Morddelikts zum Tod verurteilt.
Bis 1999 saß er in der Todeszelle und in letzter Woche vor der Hinrichtung kamen neue Beweise zu Tage.
18 Jahre umsonst gesessen
Auf Grund der neuen Beweislage wandelte der Richter die Strafe in “Lebenslänglich” um. Eine Neuauflage des Strafprozesses brachte schließlich im Jahr 2002 einen Freispruch. John Thompson saß 18 Jahre hinter Gitter.
Jetzt erhielt er 14 Millionen Dollar Entschädigung. Die reale Stoff soll von Hollywoodproduzenten verfilmt werden. Im Gespräch sind Schauspieler wie Matt Damon (Bourne Identity, Ocean’s 11 ff., Good Will Hunting) und Ben Affleck (Armageddon, Pearl Harbor, Good Will Hunting) die die beiden Südstaatenanwälte darstellen sollen, die 15 Jahre für die Freilassung von Thompson kämpften.
Marcus J. Oswald (Ressort: Haftentschädigung)
