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Wenn ein Rotlichtbarkellner Zuhälter sein will - Prozess!

Veröffentlicht in Gerichtssaal, Justizfälle, Rotlicht by marcusjoswald am Juli 21st, 2008
Landesgericht Wien

Landesgericht Wien

(Wien, am 21. Juli 2008) Die Geschäfte gehen schlecht. Die dünnen Haare hängen hinten wie Federn, vorn sind sie kurz. Das grobkarierte Sakko hängt ebenfalls an den Schultern. Die Turnschuhe passen nicht zur Blue Jeans, die um die mageren Beine hängt. Alles hängt. Er hat keinen Anwalt, kommt unvertreten.

Roland Schäffer, etwa 60, hat schon bessere Zeiten gesehen. Er war Nachtbarkellner. Seine jetzige Lebensgefährtin war damals “Vorstellen” in der Bar. “Welche?”, will Richter Roland Weber im Saal 207
des LG Wien wissen.

“Das Flamingo. Ich war dort Kellner.” Das “Flamingo” liegt am Wiener Gürtel. “Wann war das?” “Vor zehn Jahren.” “Wer war dort Besitzer?” “Ein Norbert, Nachnamen weiß ich jetzt nicht mehr. Herr Norbert”, so der Angeklagte. Der Herr Norbert hat jedenfalls “dann aufgehört mit dem Lokal”, erzählt Roland Schäffer, “es brachte nicht mehr genug Gewinn.” Es gab einen Besitzerwechsel, mit der Folge: “Ich hörte auch auf”, so Schäffer.

Neubeginn: Selbständigkeit

Er hörte als Rotlichtbarkellner auf. Aber gewissermaßen machte er sich dann selbständig. Die Frau, die sich vor mehr als zehn Jahren in der Bar “vorgestellt” hatte und auch ein halbes Jahr dort arbeitete, ist seit zehn Jahren
seine Lebensgefährtin. Sie wohnt bei ihm in der Wehligasse und teilt den Haushalt.

Der Staatsanwalt wirft Roland Schäffer jedoch vor, dass sie auch die Einkünfte abteilen muss.

Dazu existiert eine Aussage vor der Polizei. Schriftlich liegt auch vor, dass sie im Dezember 2007 eine Gehirnerschütterung hatte. “Da war sie im Wiener AKH?”, fragt der Richter. “Sie war auch im SMZ Ost”, erwidert Herr Roland. Wie das war, mit der Gehirnerschütterung. Roland erklärt: “Herr Rat, Sie ist ausgerutscht auf den Fliesen und gegen den Eiskasten gefallen.” Ganz glauben will das der Richter nicht. Er will Grundlegendes wissen: “Warum belastet sie Sie?” Schäffer: “Weil sie an dieser Krankheit leidet - Borderline-Syndrom. Das ist angeblich nicht heilbar.” Richter: “Sie haben sie also nicht geschlagen?”. Angeklagter: “Nein.”
(Die Lebensgefährtin trug danach einige Tage einen Turban am Kopf.)

Borderline-Syndrom

Roland Schäffer hat keine Verteidigungslinie, da keinen strafrechtlichen Fachmann an der Seite. Er sagt einfach aus. So sagt er: “Herr Rat, sie schneidet sich oft selbst an den Armen auf, geht dann ins Krankenhaus und sagt, ich wars.” Richter, irritiert: “Ja, das hat sie mir auch gesagt, dass sie sich selbst verletzt.” Der Richter telefonierte mit ihr.

Karrolina H. geht schon lange der Prostitution mit “grüner Karte” (Deckel) nach. Richter Weber will wissen,
seit wann: “Sie ist seit 20 Jahren in diesem Geschäft”, weiß Roland Schäffer. “Und seitdem rennt des so?”, fragt
der Richter. “Hm…hm”, antwortet der Angeklagte.

Schandlohn

Wie ist das mit Lohn und Verdienst? Es geht bei dieser Frage zu ergründen, ob Schäffer mitschneidet und seinen Lebensunterhalt davon bestreitet. Richter: “Was verdient die Karrolina H. so pro Kunden?” “30 Euro”, sagt der Angeklagte. “Aber geeeh, hearns auf”, schüttelt der Richter den Kopf, “dann kann ich ja auch Putzen gehn.”
Schäffer bleibt bei den “30 Euro”.

Dass sie dieses Geld täglich zu Hause abliefern musste, bestreitet er. Hier steht jedoch Aussage gegen Aussage, denn Karrolina H. behautet das. Der Richter zitiert aus der Polizeiaussage: “Sie sagt, Sie warten jeden Tag, dass sie das Geld abliefert.” Stimme nicht, so der Angeklagte. “Und warum sagt sie das?” “Es ist diese Krankheit (siehe oben bei der Turbangeschichte) - das “Borderline-Syndrom”, so Schäffer.

Auszug

Wie geht es weiter? Angeklagter: “Sie sagt, sie zieht aus”. Richter: “Und?” Angeklagter: “Sie kann ausziehen.” Freilich ist das noch nicht so geklärt, denn die Einkommensquelle wäre weg. Der gemeinsame Haushalt war bisher die beste Tarnung, den Erwerb aus der Prostitition als Gemeinschaftskassa oder Haushaltskassa, wie auch immer, zu deklarieren.

Richter: “Wann haben Sie sie das letzte Mal gesehen?” Schäffer: “Heute vormittag, als sie nach Hause gekommen ist.” Das erstaunt den Richter: “Sie sagten doch, sie arbeitet nur von 9 bis 12 Uhr?” Schäffer:
“Ich habe ja nicht gesagt, dass sie arbeiten war. Sie war auf Lokaltour und kam betrunken in der Früh nach Hause.”

Belastungszeugin hatte Kater

Die Belastungszeugin zog es am 21. Juli 2008 vor, nicht zum Gericht zu kommen. Sie rief den Richter an
und sagte “ihr geht es so schlecht” (Roland Weber). Freilich ist nicht klar, ob es ihr schlecht geht, weil sie getrunken und einen Kater hat oder weil häusliche Spannungen vorliegen. Wahrscheinlich ergibt eins das andere. Und da sie schon bei der “Interventionsstelle Wien” eine Kundenkarte gezogen hat, schickte sie im Telefonat noch das magische Zauberwort hinterher: “Ich habe Angst.”

Sie hat also Angst vor einer Zeugenaussage und daher erschien sie nicht. Der Richter vertagte die Verhandlung,
die keine Zuhörer und keine besetzte Verteidigerbank hatte, nach 25 Minuten auf die Zeit “nach meinem Urlaub”. Daher auf: 26. August 2008, 10 Uhr 30 bis 11 Uhr, Saal 104.

Der Zeugin hat der Richter im vormittäglichen Telefonat nahegelegt, “erneut mit der Wiener Interventionsstelle
in Kontakt zu treten.”

Der Angeklagte verließ den Saal auf freiem Fuß und ging wieder zurück in die gemeinsame Wohnung.

Randnote zum Schluß: Das ist insoweit interessant, da die Wiener Richterin Karin Bruzek (die während ihrer Studienzeit Kellnerin war) kürzlich (”Blaulicht und Graulicht” berichtete: Angeklagter Markus Michael Rapp nicht erschienen - Haftbefehl!) einen, der mit weitaus weniger Verdachtsmomenten als “Zuhälterei” (§ 216 StGB) und “Körperverletzung” (§ 83) belastet ist, nämlich nach dem Mimosen-Delikt “Stalking” (§ 107 a StGB - was dieser jedoch mit guten Argumenten bestreitet) mit der Begründung zur Festnahme “ausschreiben” ließ, weil er wegen Zahnweh nicht zu Gericht erschienen ist.

Die absurden Haftgründe neben der nicht-existenten “Fluchtgefahr” waren “Tatbegehungsgefahr” und “Verdunkelungsgefahr”. DJ Markus Michael Rapp lebt im Gegensatz zu Roland Schäffer nicht mit seiner Belastungszeugin unter einem Dach, hat nicht einmal mehr ihre Telefonnummer und steht auch nicht im Verdacht, ihr im AKH einen Turban verpaßt oder sie geschlagen zu haben - im Gegenteil:

Im April 2008 saß er noch an ihrem Krankenbett im Wilheminen-KH, da seine Belastungszeugin eine Gebärmutterzyste hatte. So unterschiedlich kann die Rechtsauslegung rund um die U-Haft sein: Der eine - schwer belastet - geht heim zur Zeugin und hat Prozessfortsetzung in einem Monat (Verdacht: Zuhälterei, Körperverletzung).

Der andere darf untertauchen bis zum Prozess (Verdacht: Stalking), weil sich eine Richtern in feministischer Redensweise im Gerichtssaal selbstverwirklicht. Gelebtes Recht nennt man das. Gemeinsam ist den Fällen übrigens, dass beide ohne Rechtsfreund sind und beide Belastungszeuginnen jeweils von der “Interventionsstelle Wien” vertreten werden.

(Ressort: Rotlicht)

Fall Franz Hohenberger - Unterhaltung, Tanz, Vorführung, Separée

Veröffentlicht in Gerichtssaal, Justizfälle, Rotlicht by marcusjoswald am Juli 6th, 2008
Marcus J. Oswald

Franz Hohenberger - LG Korneuburg 13-10-06 Fotografie: Marcus J. Oswald

Richter Neumar: “Wie sind Ihre Vermögensverhältnisse?” - Franz Hohenberger, 49: “Ich habe eine Million Euro Schulden.” (Foto: Marcus J. Oswald im LG Korneuburg am 13. Oktober 2006)

(Aus unserem Archiv - Wien, im Oktober 2006) Franz Hohenberger, der Plauderer. Franz Hohenberger, der Wohltäter. Franz Hohenberger, der mutmaßliche Mädchenhändler. Im Sommer 2005 füllte er die Titelseiten der Wiener Wochenzeitungen “Falter” und “News” mit seiner Geschichte rund um litauische Mädchen aus dem “Maxim” in der Wiener Kärntnerstraße 61.

Seit Jänner 2006 darbt er in Korneuburger Untersuchungshaft, hat sich aber seine Redseligkeit nicht nehmen lassen. Gesprächig waren auch die litauischen Mädchen. Acht Bände umfasst der Akt (431 Ur 62/05f) mit Aussagen der Mädchen, in denen es durchaus um Schlüpfriges geht, etwa die berühmte “Unterwäsche- und Intimrasurkontrolle”.

Richtige Intimrasur - “Manchmal schon gschaut, keine Frage” (Hohenberger)

Hohenberger wies das auf richterlichen Vorhalt gar nicht zurück, erklärte es aber - ein echter “Hohenberger” eben - redselig: “Wenn ich das den ganzen Tag gemacht hätte, hätte ich den ganzen Tag nichts anderes tun können. Manchmal hab ich schon gschaut, keine Frage.” Gschaut darauf, dass die Mädchen im “Maxim” keine Unterwäsche trugen und eine gute Intimrasur hatten.

Franz Hohenberger muss für gestandene Rotlicht-Erprobte, also Barkeeper, die das Geschäft seit zwanzig Jahren kennen, die reinste Nervensäge gewesen sein. Der Bruder des Bezirksvorstehers im 3. Wiener Bezirk, der zuletzt auch als selbstständiger Versicherungsmakler arbeitete, fiel mit seinem Fall erstmals Mitte 2005 auf. Bis damals kannte ihn in Wien keiner, er war eine Randfigur. Plötzlich tauchte der Akt aus seinem Prozess 2004 bei Zeitungen auf und aus den Telefonprotokollen wurde Delikates zitiert. Über Hohenbergers “Escort-Agentur” mit Namen “Netmodels” buchten Personen der Gesellschaft junge Russinnnen. Bis in die Parlamentsdirektion, das Straflandesgericht Wien und zu Ed Fagan gingen die Bestellungen, für die Liebeshungrige bei Hohenberger (angeblich) gut zahlten.

Hohenberger zum Gericht: “Nur ausgesuchte Mädchen, keine Mädchen von der Straße”

Medien sprachen damals entrüstet von “Ausbeutung der Frauen”. Mag sein, ist ein anderes Thema. Auffällig
war nur, was folgte: Eine Selbstinszenierung. Hohenberger lud etwa “NEWS” ins “Maxim” ein, ließ in den Räumlichkeiten die Mädchen ablichten - das NEWS-Titelcovergirl der entsprechenden Ausgabe
(37/05 - 15. September 2005) war laut Auskunft von Insidern erst 17. Zugleich wurde begleitend leise Kritik laut, dass Hohenberger in seinem Prozess 2004 zwar 30 Monate teilbedingte Haft bekam, aber nach 10 Monaten im
Mai 2005 wieder frei war, und dort weitermachte, wo er aufgehört hatte: Im Import-Export-Biz von “Tänzerinnen”. Die er wörtlich so definiert: “Prostituierte, die auch tanzen” (c / Hohenberger). Wert gelegt wurde auf viele Dinge: Sie sollen “entsprechend gut aussehen”, “Englisch sprechen”, “gutes Auftreten haben”. Kurz, es sollten sein:
“Schöne Mädchen, die man auch auf den Laufsteg bringen kann.” (c / Hohenberger).

Die neuen Pläne wurden in der Haft geschmiedet. Der Richter von damals war heute derselbe. Der ungefähr 40-jährige Rat, in seiner geduldigen Verhandlungsführung ein Musterbeispiel für einen qualifizierten Richter, begrüßte den Wiener bei seinem nunmehrigen Verfahren fast familiär: “Herr Hohenberger, na lang haben sie’s nicht ausgehalten. Haben Sie sich nach dem ersten Scheitern nicht überlegt, die Finger davon zu lassen?” Solche Fragen sind für Franz Hohenberger, der von alten aristokratischen Zeiten des Varietés träumt, Steilvorlagen: “Irgendwo muss ich auch zu meinem Geld kommen. Laskaris (sein Geschäftspartner aus 2004, Anm.) hat mir Geld geschuldet.”

“Wurde bedrängt”

Dazu drückten alte Lasten. Franz Hohenberger mischt erst seit 1995 in der Wiener Rotlicht-Szene mit. Davor war er in einer Bank beschäftigt. Bei der er sich freimütig und elegant, wie er ist, bediente. Der “Sir” im Nadelstreif musste von 1992 bis 1995 eine dreijährige Strafe wegen Veruntreuung von mehreren Millionen Schilling absitzen. Gleich danach stieg er in das Escort-Service-Geschäft ein, “weil dort etwas zu verdienen war.” Zu Beginn war er mit der ehemaligen Missen-Macherin Cornelia Süss partnerschaftlich aktiv. Später gründete er die Agentur “Netmodels”, die dann ins Internet ging.

2004 unterbrach die teilbedingte Haft von einem knappen Jahr seine Planung. Der Richter wollte noch einmal wissen: “Haben Sie nicht für sich einmal in Erwägung gezogen, vom Rotlicht Abschied zu nehmen?” Hohenberger: “Wenn Laskaris nicht so gedrängt hätte, wäre ich nie wieder ins Rotlicht eingestiegen.” Hohenberger hat übrigens in der Branche den Spitznamen “Franky”. “Franky” ist heute ein Litauen-Experte. An seinem Wissensschatz ließ er auch das Gericht teilhaben - und erlaubte sich weit auszuholen. In einem fünfminütigen Vortrag zeichnete er seine Sicht vom Land der tausend Kirchen: “Litauen ist ein ganz spezielles Land”, hob er an. “Die Litauerinnen sind zu 80 Prozent Prostituierte ab 14″, sagte er. Hier verhaspelte er sich jedoch, denn das hieße, dass 80 Prozent der litauischen Frauen ab dem 14. Lebensjahr der Prostitution nachgingen. Gemeint war natürlich: Aus der Summe derer, die der Prostitution nachgehen, sind 80 Prozent ab dem 14. Lebensjahr dabei.

Loblieb auf Litauen

Zu Litauen kam “Franky” im Zeugenstand ins Schwärmen. Litauische Frauen sind attraktiv, wegen des Frauenüberschusses im Land willig, reisebereit und “geldfixiert”. Westeuropa sei für die jungen Litauerinnen ein interessantes Feld. “In Großbritanien entsteht gerade ein neuer Markt für Litauerinnen”, erklärte “Franky” in seiner Expertise dem Richter. “Die Mädchen”, so Franz “Franky” Hohenberger, “wissen ganz genau, warum sie kommen.” Nämlich: “Die wollen verdienen.”

Marcus J. Oswald

Kaufmann Josef Stern und sein Anwalt Dr. jur. Herwig Ernst - LG Korneuburg 13-10-07 - Foto: Marcus J. Oswald

Ein Herz und eine Seele, wie es zwischen Anwalt und Mandant sein soll: Gentleman im Nachtgewerbe, Josef “Pepi” Stern - links als Zweitangeklagter, und sein Korneuburger
Anwalt Dr. Herwig Ernst. (Foto: Marcus J. Oswald im LG Korneuburg am 13. Oktober 2006)

Bald war es auch für Hohenberger wieder soweit. Er kam aus Korneuburg zurück. Nach Haftende, im Mai 2005, wurde er Josef “Pepi” Stern in Wien vorgestellt. Dieser suchte gerade für seinen Club “Maxim” am Kärntnertor in der Wiener City einen Manager. Dr. h.c. Stern, der in der Wiener Rotlichtbranche als der “Professor im Nachtgewerbe” bezeichnet wird, wollte Schwung in das soeben von “Crazy Cats” auf “Maxim” umbenannte Lokal bringen. Hohenberger erinnert sich, was sein sollte: “Laut Stern auch Varieté, auch Unterhaltung, auch Separées, keine Frage.”

Der Herr Professor Dr. Stern

Franz “Franky” Hohenberger und Josef “Pepi” Stern waren sich sofort sympathisch. Hohenberger hatte ein Faible für Geld und schöne Frauen. Stern imponierte an ihm, dass er sich gewandt ausdrücken konnte, durchaus im altmodischen Sinn Stil hatte. Stern schwebte vor, an die alte Wiener Innenstadt-Tradition der Varieté-Clubs anzuschließen. Die alte Casanova-Bar, das Kabarett Renz, Schimankos Moulin Rouge waren die Vorbilder.

“Pepi” Stern ist ein Urgestein des Wiener Nachtlebens. Es ist seit 1966 dabei, führte ab 1977 den Tanzclub “Pigalle” beim Auge Gottes-Kino. Danach bis 1997 das alte “Maxim” in der Operngasse. Heute gehört ihm die “Monaco Bar” im 7. Wiener Bezirk. Eine Weile betrieb er in Kroatien “den schönsten Gogo-Club” (Eigendefinition Stern). Zudem gehört ihm an bester City-Adresse das “Crazy Cats” (nun “Maxim”) sowie ein “Lavazza” Cafe und ein Spielautomatenlokal an selber Adresse. Und ein “Maxim” im ungarischen Grenzgebiet bei Hegeyshalom.

Während Josef “Pepi” Stern das aufzählte, wurde der Richter stutzig. In der Vermögensangabe gab Stern an, “Pensionist” zu sein und von “1.100 Euro Pension” zu leben. “Was verdienen Sie denn da zur Pension dazu, wenn Sie so viele Geschäfte betreiben?” Stern: “1.000 Euro im Monat.” Der Richter blickte ungläubig. Stern ergänzte: “Und die 1.000 Euro gehen direkt an die Bank für eine Hypothek für ein Haus.” Also de facto kein Zuverdienst, nur die Armenrente. Immerhin besser als “eine Million Euro Schulden”, die Hohenberger in seiner Vermögensdarstellung angab.

Große Ziele - Abfahrtshocke - böse Zungen

Hohenberger sah sich bestens geeignet für das große Ziel “Varietéclub”. “Das Ganze hat sich entwickelt”, erzählte er Richter Neumar. Er war als operativer Manager eingesetzt. Eigentümer war die “Stadtgespräche AG”, eine Balkanfirma, in der Stern Aufsichtsratspräsident war. Am 5. Juli 2005 war “Maxim“-Eröffnung. “Pepi” träumte von 1.000 Gästen zum Startschuss, doch es kamen nur rund zwanzig. Das blieb der stärkste Abend an der Kärntnertorpassage. Ein Lokal dieser Größe frisst im Monat 8.000 Euro Miete, dazu Strom für die aufwendigen Lichtanlagen und die Heizung. Zu Beginn waren nach Angaben Hohenbergers 23 Mädchen, großteils aus Litauen anwesend. Es waren großteils Studentinnen, die das Ferien-Abenteuer im Westen suchten. Ab September 2005 sollten Moldawierinnen nach rücken, da in Litauen das Studiensemester wieder anfing.

Marcus J. Oswald

Franz Hohenberger und Anwalt Dr. Thomas Nirk (Berlin/Wien) - LG Korneuburg 13-10-06 - Foto: Marcus J. Oswald

Franz Hohenberger (49) ist de facto pleite und seit einem Jahr in Haft. Einen Rechtsanwalt hat
er trotzdem und zwar keinen Verfahrenshelfer: Der Berliner in Wien Dr. Thomas Nirk.
(Foto: Marcus J. Oswald im LG Korneuburg am 13. Oktober 2006)

Das Korneuburger Schöffengericht interessierte im Wesentlichen vier Themenkreise:

  • Lag Menschenhandel bei der Anwerbung, Einfuhr, Einquartierung der Mädchen vor?
  • Lag Vergewaltigung durch die Chefität des Clubs vor oder sexuelle Nötigung?
  • Lag Drohung und Nötigung durch die Organisationsstruktur des Lokals vor, etwa durch Abnahme der Pässe oder Knebelverträge?
  • Lag eine kriminelle Organisation vor?

Das sind die vier rechtlichen Fragen und diese sind, neben der launigen Darstellung Hohenbergers, der sich zu allen Punkten nicht schuldig bekannte, ernsthaft.

Böse Zungen behaupten in Einvernahmeprotokollen, dass Franz “Franky” Hohenberger mit einigen Damen selbst Sex hatte. Das bestreitet er nicht. Im Club hatte er quasi die Funktion des Hausstiers. Laut schriftlichen Zeugenaussagen sagte er den Mädchen, er müsse jede “testen”. Sonst könne er sie keinem Gast empfehlen.

Diese Dinge werden erst in den nächsten Verhandlungstagen analysiert. Auf Video werden einige Duzend Einvernahmen angesehen. Der Richter analysierte - ohne vorgreifen zu wollen - vorab: “Ich mache Vergewaltigung (Verhandlungen zum § 201er StGB-Delikt, Anm.) schon lange. Die meisten Frauen schildern Vergewaltigungen sehr ausgeschmückt. Hier nicht.”

Am ersten Prozesstag gab Hohenberger nur zu, dass er mit einigen Mädchen im Separée des “Maxim” Sex hatte.
In den Polizeiprotokollen steht etwas von “Oralverkehr”.

Shoppen, Big Apple, Verdienstspannen

Hohenberger betonte hingegen, dass er den Mädchen Kleider um 400-500 Euro kaufte und mit ihnen Essen ging.
Er nahm sie auch ins “Big Apple” mit, ein Table-Dance-Club in der Wiener Innenstadt, saß mit ihnen beim Sekt, um Werbung für das “Maxim” zu machen. Hohenberger genoß sein Leben. Genau in diese Zeit fällt auch eine Vermittlung über seine “Netmodels”, die als “Prinzen-Gesellschaft in Ibiza” bekannt wurde. Im August 2005 vermittelte er eine Litauerin auf ein Boot zu einem Prinzen. Die Litauerin “verdiente dort 8.400 Euro”, so Hohenberger vor dem Korneuburger Richter. Als sie nach Wien zurück kam, blieben 3.000 Euro bei der Agentur und rund 5.400 Euro dem Mädchen.

“Franky” war stets um das Wohl der Mädchen bedacht. So sagte er zum Korneuburger Richter: “Mir war immer lieber, sie geht nicht aufs Zimmer (Spearée im “Maxim”), sondern bleibt hier und trinkt Sekt um 200 Euro, als sie geht aufs Zimmer um 85 Euro, von denen das Mädchen 45 Euro hat.” Die gleiche Philosophie vertrat er bei seiner “Netmodels-Begleitagentur”: “Wir machten gehobenen Escort ab 200 Euro. Weil andere machen das ab 80 Euro, aber da verdient das Mädchen ja nichts mehr und das wollte ich nicht.” Er bestritt auch verhement, je Gewalt angewendet zu haben: “Brutalität könnt ich net, dazu bin ich net erzogen worden.”

Marcus J. Oswald

Am ersten von zumindest drei Prozesstagen im “Fall Hohenberger” ist die Rolle des mitange-klagten Josef “Pepi” Stern (66) noch nicht klar. Sein Anwalt Dr. Herwig Ernst aus Korneuburg rechnet mit Freispruch, da er als Besitzer des “Maxim” in den Monaten Juni 2005 bis September 2005, jener Zeitraum, in dem Hohenberger als Manager eingesetzt war, gleich über drei volle Monate im Ausland gewesen sein soll und auch sonst nicht täglich über die Vorgänge Bescheid wußte, die seinen Club betrafen. Sterns Vorteil: Er ist nicht vorbestraft, was ihn schonen könnte. (Foto: Marcus J. Oswald am Hauptplatz Korneuburg am 13. Oktober 2006)

Drei Dinge wurden am ersten Verhandlungstag noch angesprochen. Ein Faktum war: Wer kontrollierte die Pässe und stellte die Visa-Anträge? Kurz gesprochen: Diese Aufgabe hatte “Maxim”-Barkellner Ludwig P. Inne. Er meldete die Mädchen an und kontrollierte die Personaldaten. “Sowohl der Stern oder meine Wenigkeit kümmerten sich nicht darum”, so Hohenberger vor dem Richter.

Ludwig P. war der Barchef im “Maxim”. “Wir haben ihn alle Wickerl genannt, bitte mein Bonmot zu entschuldigen”, so “Franky” Hohenberger. P. war nur für die Bar und die Verpflegung der Mädchen im Club zuständig. Die Wohnungen betreute Hohenberger. “Maxim”-Eigner Stern verfügt über mehrere Wohnungen in Wien, unter anderem in der Lindengasse im 7. Wiener Bezirk und in der Bösendorferstraße im 1. Wiener Bezirk, hinter dem “Maxim”. In diesen Bleiben wohnten die Mädchen aus Litauen im Sommer 2005.

In der Tat dürfte man um Korrektheit bemüht gewesen sein. Bei der Hausdurchsuchung fand man 9 Visa-Anträge und 16 Reisekrankenversicherungen, die sich ab September 2005 auf Moldawierinnen und Rumäninnen bezogen. “Doch die Mädchen kamen nicht”, so Hohenberger leicht enttäuscht. Mit den Visa sei es heutzutage nicht mehr so einfach wie früher, da es kein Tänzerinnenvisum mehr gibt. Hohenberger erfuhr über einen onimösen Zwischenhändler, einen Barbesitzer namens “Ramosa”, dass in Niederösterreich und Burgenland noch “Prostituiertenvisa” vergeben werden.

Prostituiertenvisa sind dann auszutellen, wenn die Frau nachweislich auch im Heimatland bereits den Beruf der Prostituion ausübt. Dann ist in Österreich eine Abgaben- und Sozialvorauszahlung in der Höhe von drei Monaten zu leisten. Der niederösterreichische Barbetreiber aus Baden bei Wien hätte vier Mädchen aus Rumänien bei sich angemeldet - für das “Maxim”. Dies entspricht Kosten von rund 750 Euro pro Person. Laut Hohenberger sagte “Maxim”-Chef zu und übergab ihm 3.000 Euro zur Beschaffung von vier solcher Visa. Doch die Mädchen kamen dann nicht, da zu diesem Zeitpunkt Prostitution in Rumänien verboten wurde. Das Geld versiegte.

Wieviel verdiente Hohenberger?

Urspünglich war in diesem Verfahren um mutmaßlichen Menschenhandel aus Litauen nur “Maxim”-Manager Franz Hohenberger angeklagt. Er ist seit 13. Jänner 2006 in U-Haft. Er machte eine Menge divergierende Aussagen im Akt . Der Richter forderte ihn einmal zu einer Linie auf: “Herr Hohenberger, Sie haben ja schon viele Aussagen gemacht, was stimmt denn nun?”

Auf gemeinsamer Linie waren “Pepi” Stern und “Franky” Hohenberger zwischen Mai 2005 und September 2005. Nachdem vier Monate lang sein Telefon abgehört wurde, kam Hohenberger in U-Haft. Hohenberger galt lange als Alleinangeklagter. Dann zog er Stern mit hinein. Ab Juli 2006 meldeten sich ungefragt plötzlich auffällig viele Leute bei der Polizei und äußerten sich zu Diversem. Das ist der Grund, warum nun auch Stern auf der Anklagebank sitzt. Er kam von “freiem Fuß” und die beiden sind auch nicht bös aufeinander. Sie unterhielten sich in der Verfahrenspause. Im kleinen Gerichtssaal waren sie auf einer Linie. Einmal sagte der Richter: “Na schön, dass sie einig san.”

Nur in einem Punkt gab es offenbar keine gemeinsame Linie. Als es ums Geld ging. Hohenberger sagte aus, er habe im “Maxim” 1.000 Euro Fixum und 5% vom Umsatz (Getränke) verdient. An den Mädchen habe er “nicht mitgeschnitten”. Die Mädchen wiederum verdienten so: “50% vom Zimmer” und “10% vom Getränk”.

Auf der Ebene der “Netmodels”-Escort (situiert an selber Adresse) war der Schlüssel laut Hohenberger “50% bei Maxim” und “50% bei Mädchen”. Wobei sich die “50% Maxim” laut seiner Darstellung so aufteilten: “50% Stern” und “50% Hohenberger”. Auf die Frage des Richters: “Sie haben also nicht ihr eigenes Süppchen gekocht” - Hohenberger: “Kann ich ja nicht. Ohne den Inhaber geht nichts.”

Marcus J. Oswald

Staatsanwalt Mag. Ronald Schaffer und Anwalt Dr. Herwig Ernst - LG Korneuburg 13-10-06 - Foto: Marcus J. Oswald

Stern-Anwalt Dr. Herwig Ernst im Pausengespräch mit dem Staatsanwalt, als die Richter einen Enthaftungsantrag zu Hohenberger beraten. Mit kleinen Gerichten wie LG Korneuburg verhält es sich wie mit kleinen Fussballstadien: Gewaltenteilung und Spielregeln sind die gleichen, doch die Atmosphäre ist vertrauter. Man ist näher am Geschehen. Im Saal 7 am LG Korneuburg gibt es nicht einmal einen Computer. Schriftführerin ist eine Stenografin, eine beleibte, ältere Frau im rosa Pulli, die den gesamten Prozessverlauf mit der Hand mitschreibt. (Foto: Marcus J. Oswald im LG Korneuburg am 13. Oktober 2006)

Dem widersprach Stern. “Nein, Herr Hohenberger hat vom Maxim gar nichts verdient.” Wohl hatte er ein Fixum, aber keine Umsatzbeteiligung. Er verdiente nur beim “Auslösen” an “Netmodels-Escort”. Das heißt, wenn er als Vermittler einen externen Auftrag an Land zog, etwa die Ibiza-Prinzen-Geschichte. Insgesamt verdienten im “Maxim” offenbar die Mädchen mehr als die Inhaber. Ende September 2005 kam es zum Zerwürfnis. Im Club “Maxim” waren nur mehr zwei Mädchen, “Tänzfähige” (c / Stern) da. Franz Hohenberger wurde gekündigt. Stern zum Richter, wie er das begründete: “Wenn er wieder 10 Mädchen bringt, ist er wieder eingestellt.”

Wer bezahlte die Flüge und Einfuhren?

Klare Linie herrschte unter den Anklagten in einem Punkt. Zur Kernfrage in jedem Menschenhandels-Prozess: Wer bezahlte die Flüge der litauischen, reisewilligen Mädchen nach Österreich? Wer holte sie vom Flughafen ab? Beide, Hohenberger und Stern, bestritten, damit etwas zu tun zu haben. Die Flüge wurden von den Litauern vorfinanziert. Ein Dokument der Kreditkartenfirma belegt, dass der Flug und Aufenthalt einer litauischen Frau im August 2005 mit der Kreditkarte des “Maxim” bezahlt wurde. Verteidigungslinie: Ja, das stimmt. Aber besagte “Delara”, die im August 2005 nach Wien kam, war keine Prostituierte, sondern eine “Vermittlerin”. Litauen-Experte Hohenberger konkretisierte: “Sie war früher einmal eine Prostituierte. Heute ist sie Vermittlerin.” Diese Frau arbeitete nicht für das “Maxim”, sie war nur als Gast in Wien.

Polizeiliche Überwachungen von Hohenberger ergaben, dass er viele Fahrten zwischen Flughafen und Wien erledigte - und wie aufgezogen telefonierte. Diese Bänder werden teilweise in den nächsten Verhandlungstagen angehört. In den nächsten Verhandlungstagen wird sich dann auch klären, was Stern wußte. Sein Anwalt sagt, er war in der Hohenberger-Zeit von Juni 2005 bis September 2005 “über drei Monate im Ausland”. Kroatien bis Brasilien. Er konnte nicht alles wissen. Hohenberger arbeitete sehr eigenständig und nach eigenen Ideen.

Mit Hohenberger wird auch weiterhin zu rechnen sein. Dem Richter erklärte er das neue Europa: “Wenn Rumänien und Bulgarien bald zu EU kommen, gibt es die Probleme mit den Visa nicht mehr so sehr wie heute.” Auch sonst war der Mann mit dem taillierten Nadelstreifsakko selbst im kleinen Korneuburg bei der Sache.

“Was einen guten Club ausmacht?”, wollte der Richter wissen. Hohenberger brachte es von der Anklagebank in einen Satz: “Unterhaltung, Tanz, Vorführung, Separée.”

Fall Hohenberger: 1. Prozesstag (13. Oktober 2006)
Fall Hohenberger: 2. Prozesstag (30. November 2006)
Fall Hohenberger: 3. Prozesstag (1. Dezember 2006)
Fall Hohenberger: 4. Prozesstag und Urteil (7. Dezember 2006 - vier Jahre unbedingt)

Marcus J. Oswald (Ressort: Rotlicht - Archivbestand Blaulicht und Graulicht - Das Online Magazin)

Herberts Scheidungsverhandlung - Bald Frank Hohenberger als Zeuge

Veröffentlicht in Rotlicht, Scheidung by marcusjoswald am Juli 3rd, 2008

(Wien, im Juli 2008) Die Klimaanlagen im Bezirksgericht Wien-Innere Stadt sind geduldig. Die Richter auch. Drei Vertrauenspersonen des Herrn Herbert nahmen am 2. Juli 2008 zwischen 13 und 15 Uhr 30 im
Saal 418 fußfrei Platz, was der Vertretung der Gattin zu viel wurde. Zum Richter: “Das sind jetzt schon mehr Vertrauenspersonen, als Gerichtsmitarbeiter.” Doch es ist rechtlich gedeckt. Das Gesetz sieht vor, dass drei Vertrauenspersonen im Scheidungsverfahren teilnehmen dürfen.

Herrn Herberts Scheidungsverhandlung, x-te Auflage. Knapp 60 Stunden netto wurden nun verhandelt. Er ist selbstvertreten, sein Gegenüber ist eine Pflichtverteidigerin. Am Mittwoch ging es in drei Stunden abermals
um die Klärung, ob seine Frau Shanna, 30, in ihren Aussagen gelogen hat. Im Saal 418 sagten diesmal drei Personen aus.

Die Geschäftsfrau

Eine 34-Jährige Dominikanerin, die in der “Susi”-Bar, im “Maxim”, im “Pour Platin” und im “Tete a Tete” gearbeitet hatte und mittlerweile selbst “Geschäftsfrau” ist. Die Zeugeneinvernahme erfolgte in flüssigem Spanisch. Die Dolmetscherin übersetzte präzise und legte eine Kostennote von 84 EUR.

Die Zeugin belegte haargenau, dass Herberts Frau Shanna in “Susi Bar”, “Maxim”, “Pour Platin” und “Tete a Tete” als Animiermädchen gearbeitet hatte.

Es geht in diesem ganzen Scheidungsverfahren darum, dass Herbert vorgeworfen wird, er habe Schuld an der Zerrüttung der Ehe. Herbert wirft umgekehrt seiner Frau vor, daran Schuld zu sein, da sie erstens die Ehe mit einen deutschen Krebsarzt brach, und zweitens der Prostitution nachging. Was diese bestreitet und was Herbert ihr in Kleinarbeit nachweist.

Der Kaufmännische Angestellte

Zeuge zwei an diesem Tag war der Barkellner Ludwig P. Der “Kaufmännische Angestellte”, der von 2000 bis 2002 gewerberrechtlicher Geschäftsführer im “Pour Platin” war und auch im “Maxim” als Barkellner tätig war, bestätigte, dass Frau Shanna aus der Ukraine sehr wohl als Animiermädchen gearbeitet hatte und auch “Zimmer machte”.

Erklärt wurde im Zuge dessen, dass es im Nachtclubgewerbe die Technik gibt, den Gast zum starken Trinken zu animieren. Zum Beispiel soll der Gast die größte Flasche Sekt kaufen. Wenn der Gast dann auf die Toilette geht, wird die Flasche in den Blumentopf gegossen. Weiters wurde im Verfahren erklärt, dass es auch alkoholfreien Sekt gäbe – für Mädchen, die wenig Alkohol trinken. Nachtbarkellner Ludwig P., der schon im Hohenberger-Prozess als Zeuge dabei war (2006, LG Korneuburg), schilderte eindrücklich, aber diskret die Abläufe im Nachtbargeschäft.

Der Nachtportier

Dann kam der Nachtportier des Hotel Bristol. Er trauert immer noch um seine Natascha, die er in der Ukraine im Kiewer Hotel Libid kennengelernt hatte. Dort hatte zur selben Zeit auch Herbert die Shanna kennengelernt. Der Franzose schildert, wie er Shanna einschätzte und was er wahrnahm. Seine Aussage blieb dürr, denn, wie Herr Herbert wußte, sagte seine Frau Shanna einmal in einem Prozess für den Nachtportrier aus, als dieser der Körperverletzung der Natatscha angeklagt war - und freigesprochen wurde.

Weiterer Zeuge - Franky Hohenberger

Herr Herbert will nun in den nächsten Wochen vor der Sommerpause Franz Hohenberger als “gerichtlichen Sachverständigen” vorladen, zur Klärung der Frage, was Ostprostitution ist. Hohenberger wüsste es, denn er wurde am LG Korneuburg wegen des Aufbaus einen Ostmädchenrings (”Call Girl Ring”) zu vier Jahren Haft verurteilt. Herbert zum Richter: “Hohenberger wird vorgeladen zum Beweis dafür, dass das, was meine Frau machte, Prostitution ist, oder das, was meine Frau machte, keine Prostitution ist. Für diesen Fall sitzt in Österreich ein Mann unschuldig vier Jahre im Gefängnis.”

Der Richter ist einer Vorladung nicht abgeneigt. Die Ladeadresse des Hohenberger wird derzeit gesucht.

Marcus J. Oswald (Ressort: Rotlicht, Scheidung)

ÖKM und Ernst Walter Stummer einigen sich

Veröffentlicht in Medien, Rotlicht by marcusjoswald am Juli 2nd, 2008

OEKM - Logo

Der Erotikmagazinverlag ÖKM und Ernst Walter Stummer einigten sich am Kulanzweg im Streit rund um eine hohe Abrechnung. Vermittler dabei: AK Wien und Blaulicht und Graulicht.

(Wien, im Juli 2008) Im Mai 2008 flatterte dem Wiener “Einbrecherkönig” in Ruhe, Ernst Walter Stummer, eine Rechnung von 177 Euro auf den Tisch. Diese entstand, weil er einige Tage zuvor zwei Webseiten, die zum
ÖKM-Verlag gehören, anschaute. Die Aufregung war hinterher groß, als die Rechnung kam.

Nun kann Entwarnung gegeben werden. Durch eine großzügige Lösung des ÖKM-Verlags wurde auf die Forderung verzichtet. Vermittelt haben zwei ungleiche Institutionen: Die “Arbeiterkammer Wien” und “Blaulicht und Graulicht - Das Online Magazin”. Gleichzeitig wurde Stummer aufgefordert, Behauptungen gegenüber “Blaulicht und Graulicht” zu unterlassen, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei, wie er im Bericht “Stummers Probleme mit dem ÖKM” meinte.

Sehr kulante Lösung seitens des Verlags

Wir freuen uns, dass die Sache im Sinne von Stummer gelöst werden könnte. Und kommen der Aufforderung des ÖKM nach, nach Rücksprache mit Stummer einige Dinge richtigzustellen.

Vorab die Zuschrift des ÖKM und ihrer IT-Firma Maxolution an die AK Wien:
arbeiterkammer-okm-stummer-blaulicht-und-graulicht (txt.doc-File, 60 kb)

Marcus J. Oswald (Ressort: Medien)

Stummers Probleme mit dem ÖKM

Veröffentlicht in Betrug, Rotlicht by marcusjoswald am Mai 23rd, 2008

Hochzeitsgruppe - Ernst Walter Stummer und Frauen-4-08-2005-Wien-Foto Oswald

Als die Welt noch in Ordnung war: Am 4. August 2005 ehelichte Ernst Walter Stummer am Standesamt Martinstraße im 18. Wiener Bezirk die um 38 Jahre jüngere philippinische Gattin Maribel (im Bild 2. von re., mit den ebenso philippinischen Trauzeuginnen Susanne und Maribik). Im Februar 2008 wurde die gänzlich “sexlose Ehe” am BG Wien-Döbling auf Betreiben des Stummer geschieden. “Eine Ehe ohne Sex ist keine Ehe”, so der 69-jährige Wiener. Mittlerweile hat er andere Probleme. (Foto: Marcus J. Oswald für diegalerie)

(Wien, im Mai 2008)Das ÖKM hat mi mit’m Schmäh gnommen. Die wollen mittlerweile 177 Euro haben!
Aber i zahl das sicher nicht.”
Ernst Walter Stummer, Exkrimineller in Unruhe, ist aufgebracht und wittert einen handfesten Betrug. Er fühlt sich hintergangen.

Bildschirmsex

“Ich war da auf der ÖKM-Webseite, weil i mir des amoi anschauen wollt. Ich hab das 2-Tagesangebot für 8 Euro genommen.” Mit dem Angebot war der Romantiker nicht zufrieden. “Dort ist alles so ordinär aufbereitet. Mir gefällt so was net.” Da er aber das Angebot für zwei Tage gebucht hatte, schaute er sich näher auf der Webseite um. Und lud sich einen Pornofilm herunter. Er klickte planlos auf der Bezahl-Webseite herum. Nach zwei Tagen sei das Angebot vorbei. Dachte er.

Dann kam die strenge Rechnung: Statt 9 Euro fast 85 Euro. Eine niederösterreichische Gebührenfirma inkassiert das Digitalgeschäft für den ÖKM-Sexverlag aus Bad Ischl. In der Rechnung ist ausgewiesen, dass Stummer - laut seinen Angaben ungewollt - am 24. März 2008 eine unbefristete Mitgliedschaft bei www.okm-digital.com und am 28. März 2008 bei www.heutenochficken.com erworben hat. Die Rechnungsstelle argumentiert, dass er nach dem 2-Tages-Gratis-Angebot aktiv kündigen hätte müssen. Da er das nicht tat, wurde das Lockangebot Monatsabo.

Strenge Rechnung: 34,90 Euro und 39,90 Euro

Die MAXOLUTION Internet Services GmbH aus Stockern (NÖ) verrechnete 34,90 Euro und 39,90 Euro für die
30-tägige Nutzung der beiden Sex-Seiten. Dazu kamen die Tarife für den Köder der ersten zwei Tage mit 7,99 Euro und 1 Euro für das Probeangebot der anderen Seite. Also 83,80 Euro für virtuellen Sex.

MAXOLUTION, per Email: “Sollten Sie den oben aufgeführten Betrag nicht fristgerecht bis spätestens
17. Mai 2008 bezahlen, sehen wir uns leider gezwungen weitere Schritte gegen Sie einzuleiten und müssen
den Fall unserer Anwaltskanzlei und Inkassobüro übergeben!

Stummer protestiert schriftlich und weitscheifig. Ein Emaildisput entfaltet sich. Am 30. April 2008 erhielt er folgende Erklärung der MAXOLUTION (Digitalpayment) zum Thema Kündigung des Voyeur-Dienstes:

“Sehr geehrter Herr Stummer, die Kunden werden insgesamt dreimal darauf hingewiesen, dass jedes Abo gekündigt werden muss:

Drei Hinweise

1. Im Kaufformular ist deutlich vermerkt, dass jedes Abo gekündigt werden muss, hier ein Auszug (Anmeldeformular): ‘Mit dem Absenden bestätigen Sie, dass Sie mindestens 18 Jahre alt sind und Zugang zum geschützten Bereich wünschen. Sie bewahren Ihr Passwort so auf, dass Unbefugte keinen Zugriff zum geschützten Bereich erhalten. Die gewählten Zeiträume stellen die Abrechnungsintervalle dar. Ihre Registrierung wird auf unbestimmte Dauer abgeschlossen. Auch ein Testabo muss gekündigt werden. Das gewählte Intervall bei einem Testabo wechselt nach dem ersten Intervallzeitpunkt auf das Standardintervall (30 Tage - Preis siehe oben).’
2. Auch in der Kaufbestätigung finden Sie bezüglich der Kündigung einen Hinweis: ‘Der Membership Key ist erforderlich, um Ihr bestehendes Abo zu kündigen. Eine Kündigung ist immer direkt über die Login-Seite möglich!’
3. Zu allerletzt ist auch noch in den AGB beschrieben, wie gekündigt werden kann und dass jedes Abo gekündigt werden muss.”

In der Rechnungsfalle

Stummer erwiderte am 1. Mai 2008: “Wenn ich gelesen hätte, daß ihre Dienste mehr als einmalig 7.- € (ÖKM) kosten, oder bei “billig ficken”, oder wie das heißt, mehr als einmalig 1.- €, hätte ich es sicher nicht bestellt. Ich weiß nicht, wie eine Bestellung zustande gekommen sein soll. Ich habe nämlich schätzungsweise 1 bis 2 Millionen € Schulden, laufende Pfändungen und nur 15,77 € täglich Notstandshilfe und würde mir sehr schwer tun, so etwas zu bezahlen. Ich habe Ihr Angebot (außer beim ÖKM vielleicht 2 Stunden, bei billigficken etwa 15 Minuten) auch nie konsumiert! Nachdem ich kurz aufblitzen sah, ich hätte etwas bestellt oder so, brach meine Verbindung mit dem ÖKM ab. Mit freundlichen Grüßen, SEWUZ.”

Unbefristete Mitgliedschaft bei www.heutenochficken.com

Es blieb nicht bei 83,80 Euro für zwei Stunden nackte Weiber anschauen. Es kommt dicker. Die ÖKM-Kassa MAXOLUTION (Digitalpayment) macht am 15. Mai 2008 klar, wie die Dinge lägen, bislang letztes Email:

“Sehr geehrter Herr Stummer, Sie haben laut Fernabsatz die rechtsgültigen Verträge abgeschlossen, bei welchen die AGB als gelesen und angenommen bestätigt wurden (ECG). 1. aktive Mitgliedschaft: am 24. März 2008 haben Sie eine verbindliche Anmeldung zur Mitgliedschaft bei Okm-digital erklärt. Mit Eingang unserer Kaufbestätigung am 24. März 2008 kam somit ein unbefristeter Vertrag bei Okm-digital zustande.
2. aktive Mitgliedschaft: am 28. März 2008 haben Sie eine verbindliche Anmeldung zur Mitgliedschaft bei Heutenochficken erklärt. Mit Eingang unserer Kaufbestätigung am 28. März 2008 kam somit ein
unbefristeter Vertrag bei Heutenochficken zustande.”

Und: “Die Zugangsdaten gingen NUR an Ihre E-Mail-Adresse sewuz@gmx.at. Sämtliche Daten wie auch die IP-Adresse wurden beim Kauf und den Logins gespeichert.”

Noch einmal (automatisch ein Monat) verlängert - 24. April und 28. April 2008!

Ferner im ÖKM-Email (15. Mai 2008): “Da Sie bis dato keine Kündigung durchgeführt haben und die Vertragsverhältnisse auf unbestimmte Zeit abgeschlossen wurden (in den AGB beschrieben), sind Ihre Mitgliedschaften in den nächsten Abrechnungszeitraum (30 Tage) gefallen.”

“Mit Stand 12. Mai 2008 sind von Ihnen folgende Beträge manuell zu begleichen: 1. aktive Mitgliedschaft
bei Okm-digital: INK 1681643 (1. Mahnstufe) EUR 34.90, INK 1666641 (1. Mahnstufe) EUR EUR 48.70.
2. aktive Mitgliedschaft bei Heutenochficken: INK 1687962 (1. Mahnstufe) EUR 39.90, INK 1674035
(1. Mahnstufe) EUR 53.70. In Summe: EUR 177,20.”

177,20 Euro Schulden 

“Wir ersuchen Sie, diesen Betrag manuell auf das unten angeführte Konto zu überweisen, da wir sonst gezwungen sind, Ihre Mahnung an unseren Rechtsanwalt weiter zu leiten: Sparkasse Horn, MAXOLUTION Internet Services GmbH” (Email: 15. Mai 2008).

Somit hat Ernst Walter Stummer ein Drittel seiner monatlichen Notstandshilfe an ÖKM verpulvert.

Damit gab er sich nicht ab. Auf Rat ließ er sich bei der Arbeiterkammer Wien einen Termin geben. Am 23. Mai 2008 erhielt er wenig Hilfe. “Dort war ich bei einer alten Jungfer, die gleich kreidebleich wurde, als sie von mir erfuhr, dass ich auf billigficken.at von ÖKM surfe. Was erwarten sie sich von einer Firma mit solchen Namen? meinte sie.” Die AK gab ihm den Tipp, beim nächsten Mal die Geschäftsbedingungen besser durchzulesen.

Stummer sitzt in der Kostenfalle in einem Abzockgewerbe der Erotikwebseiten. Da er nicht wahrnahm, dass er ein Probeangebot kündigen muss, häufen sich die Kosten beträchtlich. Die rechtliche Frage wäre, wie gut sichtbar für einen älteren Webnutzer die Vertragsbedingungen sind. Ob es eine Kulanzlösung durch den ÖKM-Verlag für den Notstandhilfebezieher gibt, ist unklar. Derzeit ist alles offen.

Auch die Rechnung.

Marcus J. Oswald (Ressort: Betrug)

Großes Wiener Peepshow-Sterben - Raaberbahngasse im Mai fertig?

Veröffentlicht in Rotlicht by marcusjoswald am Mai 9th, 2008

Peepshowtanz - Foto Marcus J Oswald

Der Tanz im Kreisel: In Wien vom Niedergang bedroht. Immer mehr Betreiber geben auf.
(Foto: Marcus J. Oswald für diegalerie/Blaulicht und Graulicht)

(Wien, im Mai 2008) Die Peepshow ML Revue machte laufend Kundenumfragen. Es stellte sich heraus, was Männer wirklich wollen: Keine schwarzen oder asiatischen Tänzerinnen, keine jungen Ungarinnen und Tschechinnen, sondern “Frauen um die 40″. Das überraschte selbst die Geschäftsleitung.

Die Umfragen halfen nichts. Im April 2006 sperrte erneut eine Wiener Peepshowfiliale. Die “Sechtergasse” der Kette Movieline ML Revue nahe der Philadelphiabrücke stellte den Live-Betrieb ein.

Peepshow ML Revue Hernalser Gürtel – Wien – Marcus J Oswald

Movieline - ML-Revue: Die Firma spielte immer in einer anderen Liga. Dem Peepshowbetrieb sprach man ein Naheverhältnis zum Novomatic-Konzern (Glücksspiel) nie ab. Er verdiente jahrelang mehr Geld mit den aufgestellten Admiral-Spielautomaten als mit allem anderen. Eine Peepshow gab es in den Räumen auch. Die Movieline-Kette galt in den 90er Jahren als die vermögenste und verschwiegenste in der Branche. Im August 2007 schloss auch die Filiale am Hernalser Gürtel für immer. (Foto: Marcus J. Oswald für diegalerie/Blaulicht und Graulicht)

Einst war die Movieline der stärkste Filialist und Marktführer im Wiener Kreistanz der Schönen. 1999 hatte man noch fünf Filialen. Zwei waren nur auf Videofilmkabinen und Spielautomaten der Marke Novomatic ausgerichtet - ohne Livetanz. Die kleine Filiale im Wiener Prater und jene am Lerchenfelder Gürtel wurden
Ende des 2. Jahrtausends geschlossen.

Nach 1999 hielt die Movieline weiter als einziger Anbieter drei Peepshow-Großfilialen mit modernster Technik: Hernalser Gürtel (17. Wiener Bezirk), Mariahilfer Gürtel (15. Wiener Bezirk) und Sechtergasse
(12. Wiener Bezirk). Die Sechtergasse schloss im April 2006 den Tanzbetrieb. Dort blieb der Sitz der Unternehmensverwaltung.

Vorhang zu, der Kreisel ist gefallen

Schon im April 2006 kursierten in der einschlägigen Branche Gerüchte, wonach sich die Movieline komplett aus dem Wiener Peepshowgeschäft zurück ziehen werde. Eine B&G-Anfrage am 19. April 2006 in der Zentrale wollte man nicht bestätigen. “Da weiß die Konkurrenz mehr als wir”, hieß es erstaunt. Zur beliebten Methode im Rotlichtgewerbe gehört, Gerüchte nicht zu kommentieren.

Im August 2007 kam, was erahnt wurde. Die einstige Cash Cow des Unternehmens, die Filiale “Hernalser Gürtel”, machte dicht. Somit reduzierte sich der ehemalige Marktführer im Wiener Peepshowtanz auf eine einzige Filiale beim Westbahnhof, die mit modernster Ton- und Überwachungstechnik ausgestattet ist.
Das Hauptgeschäft sind DVD-Videokabinen und zwei Spielautomaten der Firma Novomatic, die mit großen Scheinen bespielt werden. Ende der 1990er Jahre, wissen ehemalige Kassiere zu berichten, betrug der Tagesumsatz in dieser Filiale noch 80.000 bis 100.000 ATS. Mit dem Aufkommen des Internets ging der Geschäftsgang nach und nach zurück.

Hände hoch!

Im Dezember 2005 gab es in dieser Filiale am Mariahilfer Gürtel einen Raubüberfall. Um 23 Uhr 45 betraten zwei Männer das Geschäft und fesselten den Kassier mit Kabeln. Dubios daran war, dass der Überfall just an jenem Wochentag geschah, an dem der Chef der Firma nie die Schlussrunde durch die Filialen machte und um 24 Uhr die Losung holte. Man tippte auf einen Ex-Mitarbeiter und Insider.

Damals fanden im Gräzel rund um den Westbahnhof Demonstrationen gegen Prostitution statt. Razzien betrafen auch die Peepshow. Entsprechende Fotos erschienen im “Kurier” und waren fürs Geschäft nicht gut.

Einziger Filialist und neuer Peepshowhäuptling: Erich Reder

Der neue Peepshowhäuptling Wiens ist Erich Reder. Der 51-Jährige hält sich eisern durch Kraftsport und Boxen in Form und steht seit 1990 im Gewerbe seinen Mann. Bis vor Kurzem betrieb er drei Filialen seiner Kette “Peep 69″. Eine in der Nordwestbahnstraße (20. Wiener Bezirk), eine in der Davidgasse (10. Wiener Bezirk) und einen mit Harald Hauke erstrittenen Platz am Josefstädter Gürtel (8. Wiener Bezirk). Den “Josefstädter Gürtel”, zwanzig Schritte neben der Josefstädter Kirche, übergab er nach einer Firmenteilung an seinen Ex-Partner Georg Handschuh, der die Show jedoch verkommen ließ und nie mehr aufsperrte.

Peep 69 - 1100 Wien - Foto Marcus J Oswald

Die Peep 69 des Wiener Peepshowfilialisten Erich Reder. (Foto: Marcus J. Oswald für diegalerie/Blaulicht und Graulicht)

Erich Reder ist ein klassischer Peepshowbetreiber und Anschlußgastronom. Bei seinen beiden Shows gibt es jeweils auch ein kleines Caféhaus nebenan. Der Selfmademan gilt als härtester Geschäftsmann im Wiener Rotlicht. In den 1980er Jahren noch Taxiunternehmer, baute er mit strenger Hand ein kleines Imperium aus Cafehäusern, Peepshows und Eigentumswohnungen auf. Bei der Finanz gilt er als Premiumzahler, der monatlich eine stolze Summe an den Staat abführt.

Peepshow Raaberbahngasse - Wien - Foto Sepp Zaunegger

Die Peepshow Raaberbahngasse in der gleichnamigen Straße in Wien-Favoriten bei der Fußgängerzone. Eine ungarische “Tänzerin” mit Künstlernamen Silvia sagte 2001 zum Herausgeber dieser Seite: “Warum soll ich in Ungarn für 2.000 Schilling im Monat in
einem Büro arbeiten, wenn ich in der Peep Show 2.000 Schilling am Tag verdienen kann?”

(Foto: Sepp Zaunegger für diegalerie/Blaulicht und Graulicht)

Das Peepshow-Gewerbe in Wien war immer gut aufgeteilt. Es gibt Filialisten und Einzelkämpfer. Gleich ist
allen (noch existenten) Shows, dass sie im Wesentlichen dasselbe zeigen. Nackte Haut für 1 Euro (früher:
10 Schilling).

Siegi Köhler - Der Pionier

Seit 15. August 1988 gibt es in Wien Peep Shows nach deutschem Muster (deutscher Start: München, März 1976). Pionier und treibende Kraft in Wien war Siegbert “Siegi” Köhler mit der “Raaberbahngasse”. Als Köhler seinen 60. Geburtstag feierte, erlaubte er sich einen Spaß, betrat höchstpersönlich den Tanzkreisel und führte - zum Gaudium der anwesenden Gäste - seine erotischen Künste vor Live-Publikum vor.

Köhler legte im inhabergeführten Betrieb (obwohl er nur Provisionist war, Besitzer waren Deutsche) großen Wert auf Repräsenation. Im eleganten Zwirn konnte man den stets zurückhaltend auftretenden älteren Herrn durchaus mit einem Geheimagenten alter Schule verwechseln. Seine guten Kontakte zur Polizei und Politik unterstrich er dadurch, dass er ein volles Jahrzehnt (1994-2004) eine Loge am Opernball (Kosten: 10.000 Euro) für sich und einige “Bunnies”, darunter einmal Dolly Buster, mietete. In seiner Freizeit rollte der Mann mit den goldenen Metallbrillen mit einem weißen Jaguar mit deutschem Kennzeichen durch die Straßen Wiens.

Zum Jahreswechsel 2006 begab sich der 65-jährige Altdeutsche endgültig in Pension. Im Frühjahr 2006 übergab Siegbert Köhler das Ruder an seine damals 19-jährige Tochter Isabella. Fast zwanzig Jahre machte Köhler im 10. Wiener Bezirk die “Raaberbahn” und abseits des “Wiener Gürtel” lange Zeit gute Geschäfte.
Ende 2001 betrug der Monatsumsatz noch (vor Abzug Personalkosten) 1.4 Millionen Schilling (105.000 Euro),
in schwachen Monaten (etwa Sommermonate) 1.1 Millionen Schilling (80.000 Euro).

Generation Lugner

Köhler verteidigte sein Revier mit allen sanften Mitteln und Marketingtricks: Er ging in deutsche Privat-TV-Sendungen, fuhr auf deutsche Fachmessen, um Gasttänzerinnen, die in Pornofilmen mitspielten, für ein paar Monate nach Wien zu angeln. 2001 mietete er bei der “Wiener Pensionstenmesse” als Peepshow (!) einen Fachstand, um ältere Kunden anzusprechen. Er beauftragte seine Wiener Werbeagentur für eine neue Webseite und affichierte über die “Gewista” 2.000 Peep-Show Plakate in ganz Wien für sehr teures Geld. Die Steuerabgaben für seinen Betrieb lagen in dieser Zeit bei rund 25.000 Euro im Monat.

“Siegi” Köhler wehrte alle Übernahmeangebote (”Albaner”) ab, stand mit Bürgermeister Häupl, Polizeioberen und Richard Lugner auf Du und Du und umgab sich immer - leicht johannistriebgesteuert - mit einer um 30 Jahre jüngeren Frau.

Teuro

Nur eines machte ihn nachdenklich: Nach der Euro-Umstellung klagte er gelegentlich, dass die Herren immer öfter den Teuro zwei Mal umdrehen, statt in den Schlitz zu werfen. Das Internet wirkte sich auf den einst florierenden Betrieb Raaberbahngasse aus. Er nutzte auch diese Werbeschiene. Doch die Kunden wurden immer weniger, die Geschäftsmiete im unscheinbar wirkenden Haus blieb gleich hoch: 8.000 Euro pro Monat. Der hohe Zins kommt daher, dass der Hausherr der Raaberbahngasse 20, ein Anwalt, zu Gründungszeiten (1988) eine bauliche Erweiterung der Peepshow in den Innenhof erlaubte. Dennoch steht die Jahresmiete von fast 100.000 Euro heute in einem ungünstigen Verhältnis zum Besucherstrom. Hatte die Show vor fünf Jahren noch einen Tagesumsatz von 50.000 Schilling, erreicht der Unterhaltungsbetrieb heute geschätzte 1.500 Euro.

Mit dem pensionsbedingten Abgang von Gründer “Siegi” Köhler im Frühjahr 2006 änderte sich viel. Zum einen ging ein Gründer verloren, der täglich im Geschäft stand und eine Identifikationsfigur war. Letztlich hatte der Peepshow-Geschäftsführer die gleichen Probleme wie jeder Betrieb bei der Generationenübergabe. Die
19-jährige Tochter war zu jung und konnte nie in die Fußstapfen des Vaters steigen. Nach wenigen Monaten überwog ihr Desinteresse, das Geschäft zu führen. Dann rückten die deutschen Eigentümer, die Kessler-Brüder, in Wien ein und betraten die Kapitänskajüte.

Die Deutschen kamen - neuer Stil - Nürnberg statt Wien

Mit einem Mal verlor die Peepshow den Favoritner Flair, der rauh, aber charmant ist. Man wähnte sich ab April 2006 in einer Nürnberger Peepshow, weit weg von Wien. Das Lokal wurde zur kalten Zockerhöhle und zum unsäglichen Ramschladen für alles Pornografische. Die deutschen Eigentümer wollten mit planerischer Gründlichkeit das Hochpreis-Geschäftslokal auspressen wie eine Südfrucht. Zuerst bauten sie 2006
den Seiteneingang zu und stellten einen dritten (!) Spielautomaten auf. Laut Wiener Bauordnung dürfen in Geschäftslokalen nur maximal zwei Spielautomaten stehen. Für einen dritten braucht es einen neuen Zugang
in die Spielzone. Gesagt, getan. Der Seiteneingang ist seither nur mehr von Außen betretbar. Zugleich zog
man im vorderen Eingangsbereich der Peepshow einen Supermarkt erster Güte auf - Billig-Porno-DVDs ab
5 Euro 15 auf rund 40 (!) Laufmetern Regal plus Extra-Stapeltische mit ordinärster Ware.

Mit Erotik-Peepshow hatte das alles nichts mehr zu tun, mehr mit Eros-Diskont-Markt. Man entfernte sich vom Ursprungskonzept und irritierte die Kunden.

Dann kam der nächste Geniestreich deutscher Geschäftstugend. Ein “3D-Porno-Kino” musste her.
Am 15. Februar 2007 sollte das “Big Opening” über die Bühne gehen. Das Kino wurde in die ehemalige Aufenthaltszone bei den Cola-Automaten im Eingangsbereich eingebaut. Damit wurde auch noch der
letzte Quadratmeter Geschäftsraum vermauert - und vermeintlich zu Geld gemacht. Das Kino hält hinter verschlossener Schiebetür aus Holz acht wischfeste PVC-Klapp-Stühle für Unterleibs-Cineasten bereit.
Der Autor besichtigte am 13. Februar 2007, kurz vor der Eröffnung.

Drei “Gaststars” from Germany

Zur Eröffnung waren drei “Pornostars” aus Deutschland in der Show groß auf Plakaten angekündigt, die das Blut in Wallung bringen sollten. Doch am 15. Februar 2007 schoss den Gästen eher vor Schreck das Blut in den Kopf: Akkurat an diesem Tag nämlich rauschte die Wiener Polizei (”Sitte“) ein und veranstaltete eine gepflegte Razzia in der Peepshow Raaberbahngasse!

Wie ein Peepshowgast berichtete, war die Razzia voller Peinlichkeiten für den Betreiber, einen der beiden “Kessler-Brüder” (in Deutschland Teilhaber am “Deutschen Video Ring”).

Behördenverdacht: Raaberbahn ein “Bordellbetrieb”?

Die Sitte-Beamten sahen sich nämlich im Geschäft um. Als ein Behördenmann zur einer der drei “Solokabinen” der Peepshow die Tür von Außen öffnete, zog sich ein Gast gerade seine Hosen hoch. Die Glasscheibe zum hinteren Bereich war sperrangelweit geöffnet und am Boden kniete noch eine der drei Damen, die als “Pornostars” für die beiden Jubeltage aus Deutschland eingeflogen wurden. Der Verdacht gegen die Betreiber lautete auf “geheime Prostitution”! Die Eröffnungstage des “3D-Kinos” in der Raaberbahngasse gerieten zum Desaster.

Auch danach wurde es nicht besser. Wer heute in der Show besucht, findet sich fast allein im Lokal. Seit zwei Jahren werden keine Ansagen mehr gemacht, dafür wummert in tiefen Bässen die Musik wie in einer Diskothek. Es wurde unpersönlich und lieblos.

Seit April 2008 kursieren in einschlägigen Kreisen hartnäckige Informationen, dass die “Raaberbahngasse” den Betrieb auslaufen lassen will, um eine Table-Dance-Bar zu etablieren. Bei realistischer Betrachtungsweise wäre das sicher ertragreicher als das derzeit zähflüssige Groschengeschäft aus dem Kreiseltanz und dem schäbigen Billig-DVD-Abverkauf, die selbst an guten Tagen und über das Monat gerechnet den kostspieligen Geschäftsplatz auf Hausnummer 20 nicht mehr finanzieren können.

Da warens nur mehr sechs?

Sollte die Raaberbahngasse im Mai 2008 sperren, wäre es wie mit dem Auszählreim von den sieben kleinen Negerlein. Da warens nur mehr sechs. 2002 existierten in Wien noch zehn Peepshows, die erotischen Kreiseltanz darboten. Aktuell sind es noch sieben. Ein Gewerbe im schleichenden Niedergang.

Marcus J. Oswald (Ressort: Rotlicht) - (c) - (alle Rechte beim Autor)

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Im 7. Wiener Bezirk brennen die Swingerclubs gerne

Veröffentlicht in Feuer und Flamme, Rotlicht by marcusjoswald am September 3rd, 2006
Swingerclub Frivoli - Halbgasse 1070 Wien

Swingerclub Frivoli - Halbgasse 1070 Wien

Nach dem KORE Palast brannte nun auch das FRIVOLI. (Logo: Frivoli, Repro: MJO)

(Wien, im September 2006) In der Nacht zum Samstag, den 2. September 2006, gab es im Swingerclub “Frivoli” gegen 5 Uhr morgens Feuer. Der Technikraum in der Halbgasse 11 soll Brandherd gewesen sein.
Der Schaden soll gering sein. Personen kamen nicht zu schaden.

Der Swingerclub ist einer von rund 15, die es in Wien gibt. Im 7. Wiener Bezirk dürfte es in Swingerclubs
besonders gern nach technischem Gebrechen brennen.

Marcus J. Oswald/Blaulicht und Graulicht

KORE-Palast nach dem Brand am 21. Mai 2006 - Foto: Marcus J. Oswald Blaulicht und Graulicht

Man erinnert sich noch an das Feuer in der Schottenfeldgasse 39, am 21. Mai 2006 an einem Samstag
außerhalb der Öffnungszeit. Ein Saunaofen fing Feuer und legte den alteingesessenen, 1000 Quadratmeter
großen “KORE Palast” (gegründet 1996) in Asche.

Szene im Umbruch

“King of Swing” Viktor Hennemann damals: “Wir haben einen Totalschaden!” Hennemann ärgerte sich damals sehr, dass er nicht im Lokal anwesend war. Drei Tage nach dem Brand kündigte der Platzhirsch der Wiener Szene in einem Telefonat eine Generalsanierung an, die mittlerweile zügig vorangebracht wurde.

Die Swingerclubszene ist im Umbruch. Hennemann äußerte schon damals, nach seinem Brand: “Die Leute wollen für Leistungen nichts mehr zahlen. Ich mache sicher nicht mehr als Swingerclub auf. Der Name “KORE Palast” verschwindet. Ich mache ein neues Konzept mit Wellness Sauna, auch für Ältere und Mütter mit Kindern”.

Marcus J. Oswald (Ressort: Rotlicht)

Zu grosse Sauna-Hitze - Brand in Swingerklub Korepalast!

Veröffentlicht in Feuer und Flamme, Rotlicht by marcusjoswald am Mai 22nd, 2006
Marcus J. Oswald am 23. Mai 2006

Der alteingesessene Wiener Swingerclub KORE-Palast (seit 1996) des Viktor Hennemann brannte komplett aus - Foto: Marcus J. Oswald am 23. Mai 2006

Ein Saunaofen entzündete sich außerhalb der Öffnungszeiten und bescherte dem KORE-Palast einen “Totalschaden” (cit. Hennemann). (Foto: Marcus J. Oswald)

(Wien, im Mai 2006) Es war nur ein kurze, dürre Meldung der Wiener Berufsfeuerwehr, die in der Wiener Rathauskorrespondenz am 21. Mai 2006 veröffentlicht wurde. Sie lautete:

“Am späteren Samstag Nachmittag musste die Feuerwehr im Swingerclub KORE-Palast in der Schottenfeldgasse 39 in Wien-Neubau einen aus bislang unbekannter Ursache ausgebrochenen Brand in der dortigen Sauna löschen. Verletzt wurde dabei niemand. Der Einsatz begann gegen 16.15 Uhr und endete kurz nach 18.30 Uhr. (Schluss) Rückfragehinweis: Wiener Feuerwehr-Nachrichtenzentrale, Tel.: 531 99 51 67, E-mail: nz@m68.magwien.gv.at”

Marcus J. Oswald (Ressort: Feuer und Flamme)